Kanäle
Jetzt personalisiertes
Audiomagazin abonnieren
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Literatenfunk

Corona-Feuilleton

Andreas Merkel

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: "Mein Leben als Tennisroman" (Blumenbar). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

Zum piqer-Profil
Andreas MerkelMittwoch, 08.04.2020

Nachdem das hassgeliebte, natürlich super-systemirrelevante Feuilleton zu den ersten Opfern der Krise zu zählen drohte – an einem der ersten Social-Distancing-Sonnabende machte der FAZ-Kulturteil mit think-pieces von Kathrin Röggla über das Problem der Langsamkeit von Literatur (bottom line: "Wenn ich dies jetzt schreibe, ist jetzt ja immer schon vorbei") und Leila Slimani über das entschleunigte Leben auf ihrem südfranzösischen Landsitz (bottom line: den Olivenbäumen beim Wachsen zusehen – "könnte das Leben nicht immer so sein?") auf –, feiert es diese Woche vorsichtig Comeback mit sich selbst.

– Belege?!

"Welt"-Kulturleiter Andreas Rosenfelder veröffentlicht einen schlechtgeträumten Offenen Brief an Rainald Goetz, in dem er seine Perspektive auf die Zeitläufe einfordert ("Ich stelle mir vor, dass Deine Sicht eine andere ist: die Sicht des Mediziners, Historikers und Paranoikers, der die Normalität ... als den eigentlichen Ausnahmezustand dokumentiert hat"). Und sich fragt, wo Goetz verdammt noch mal abgeblieben ist? – Eigene letzte Sichtung: Freitag vor zwei Wochen in der Friedrichstraße, auf dem Rad mit rotem Dussmann-Beutel (Wo ich kurz zuvor das neue Weeknd-Album physisch erstanden hatte, Headline: Sin city's cold and empty, noone around to judge me...). Große Freude, vom Beobachteten beim Blickwechsel nicht geteilt. 

Lahme-Literaten-Basher Magnus Klaue verabschiedet in der Jungle World das nervtötende Positiv-Bleiben-Gute-Laune-Gebot der Stunde und knöpft sich die toxische Schwemme an Online-Tagebüchern these days vor. Erstes Opfer: Glavinic:

Als die Coronawirklichkeit aber schließlich seine Unwirklichkeit affizierte, packte das Virus den Dichter mit existentieller Wucht: »Ich konnte nicht länger als eine Stunde pro Nacht schlafen, ich konnte nicht aufstehen, schlief diese eine Stunde also auf meinem Schreibtischstuhl, ich konnte mich nicht waschen, ich konnte nicht kochen, ich konnte kaum etwas essen, ich konnte weder E-Mails noch Anrufe beantworten, und nicht immer, wenn ich ins Bad musste, bewältigte ich den Weg.« Alles wie immer, könnte man sagen, nur dass Glavinic sich jetzt wegen Corona statt wegen Glavinic um Glavinic sorgt, aber der Ausnahmezustand macht aus Gewohnheiten Entscheidungen und aus Banalitäten achtsame Erfahrung.

Nachdem der polnische Romancier Szczepan Twardoch in einem langen, quasi-religiösen "Literarische-Welt"-Aufmacher neulich bang fragte, ob wir unser Leben (vor Corona) möglicherweise nicht genug geliebt haben ("Plötzlich ist die Welt real, und man fragt sich: Ist das Strafe?"), ist sein amerikanischer Kollege Gary Shteyngart schon einen Schritt weiter. Im New Yorker fragt er sich, ob wir nicht die ganze Zeit (also die späten Nuller, ganzen Zehner und unfertigen Zwanziger Jahre) vielleicht nur prophylaktisch auf diesen Moment hingelebt haben:

My friend N. suggests tele-drinking. I finally give in and download Zoom on my laptop. At first, it’s a bit awkward, but soon I get soused and chummy, laughing and shouting at the screen. I don’t like how quickly I can get used to this. Maybe we were preparing for this life all along, the prophylactic life of homes and screens and pantries. “How are things in the city?” I ask N. “I’m not in the city,” he says. Oh, right.

Und für ein bisschen bessere Laune am Ende sorgt Maureen Dowd in der New York Times (s. u.), die in Los Angeles den Ober-Social-Distancer Larry David ("Curb your enthusiasm") besuchte, der sie natürlich nicht ins Haus ließ und dort aber auch weder Selbstmitleid noch Streit duldet. Kernbotschaft an uns alle: Toilettenpapier-Horter? – Ende der Freundschaft!

When I ask if he is hoarding anything, he is outraged. “Not a hoarder,” he said. “In fact, in a few months, if I walk into someone’s house and stumble onto 50 rolls of toilet paper in a closet somewhere, I will end the friendship.

Corona-Feuilleton

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!

Bleib immer informiert! Hier gibt's den Kanal Literatenfunk als Newsletter.

Abonnieren

Deine Hörempfehlungen
direkt aufs Handy!

Einfach die Hörempfehlungen unserer KuratorInnen als Feed in deinem Podcatcher abonnieren. Fertig ist das Ohrenglück!

Öffne deinen Podcast Feed in AntennaPod:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Downcast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Instacast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Podgrasp:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Bitte kopiere die URL und füge sie in deine
Podcast- oder RSS-APP ein.

Wenn du fertig bist,
kannst du das Fenster schließen.

Link wurde in die Zwischenablage kopiert.

Öffne deinen Podcast Feed in gpodder.net:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Pocket Casts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.