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Klima und Wandel

Alexandra Endres
Journalistin und Volkswirtin
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piqer: Alexandra Endres
Donnerstag, 06.06.2019

Wie gerecht ist die CO2-Steuer? Eine mögliche Antwort: Sie verteilt das Geld vom Land in die Stadt

Im Modell klingt es einfach: Wer CO2 ausstößt, zahlt dafür eine Steuer, der Staat nimmt Geld ein, gibt es aber komplett wieder zurück an seine Bürgerinnen und Bürger – und wenn er es als Pro-Kopf-Pauschale auszahlt, können die Haushalte mit geringerem Einkommen unterm Strich sogar profitieren. Denn sie stoßen in der Regel weniger CO2 aus als die Wohlhabenderen, bekommen aber den gleichen Betrag pro Kopf zurück. 

Soweit die Theorie. Die Praxis ist aber komplizierter. Die Wirtschaftswoche hat schon Anfang Mai Berechnungen des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) veröffentlicht, in denen die Wissenschaftler die Auswirkungen einer CO2-Steuer in unterschiedlicher Höhe, kombiniert mit einer Kopfpauschale, auf vier typische Haushalte untersuchten: städtisch oder ländlich, mit Kindern oder ohne, mit unterschiedlichen Einkommen. Das Ergebnis: Wohlhabende Großstadtpaare zahlen drauf. Mittelschichtsfamilien in der Stadt profitieren stärker als jene auf dem Land. Der Single in der Stadt mit geringem Einkommen hat für jede betrachtete Steuerhöhe mehr Geld in der Tasche als vorher.

Jetzt hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) für die ZEIT (für deren Online-Redaktion ich arbeite), eine ähnliche Rechnung aufgemacht. Sie betrachten eine Steuer in Höhe von 20 bzw. 180 Euro je Tonne CO2 und sie gehen ebenfalls davon aus, dass die kompletten Einnahmen in Form einer Kopfpauschale an die Bevölkerung zurückfließen. Dann schauen sie, wie sich das auf vier Beispielfälle und auf verschiedene Haushaltstypen auswirkt.

Die Ergebnisse: Familien profitieren eher – logisch, wegen der Kinder, denen die Kopfpauschale ja auch gezahlt wird. Wer mit Öl heizt, verliert. Wer Auto fährt, auch – beides ist auf dem Land eher der Fall als in der Stadt. Das Geld wird also vom Land in die Stadt umverteilt – das scheint mir ein wichtiger Punkt zu sein. Nicht eindeutig beantworten lässt sich laut RWI aber die Frage, ob Arme oder Reiche profitieren.

Wie gerecht ist die CO2-Steuer? Eine mögliche Antwort: Sie verteilt das Geld vom Land in die Stadt
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Kommentare 3
  1. Hansi Trab
    Hansi Trab · Erstellt vor 20 Tagen · Bearbeitet vor 20 Tagen

    Na ja, zwischen Kopfpauschale und Emissionshandel ist noch viel Platz für Alternativen. Wirkt deswegen ein wenig einseitig auf die Kopfpausche fokussiert, die Untersuchung. Und der Artikel sagt's am Schluss ja selbst: die Ausnahmen machen die Verzerrung! Man kann die Ausnahmen auch beseitigen, ohne gleich in ein Emissionshandelsmodell abzugleiten.

    So ist mir z.B. unverständlich, warum Kerosin im Modell ausgenommen ist, nur weil die Flieger dann im Ausland tanken könnten. Dann berechne ich doch einfach einen CO2-Ausgleich auf die geflogenen Kilometer und lege den als Steuer auf den Ticketpreis um. Schon ist's mit drin, egal wo die Flieger tanken... Und da v.a. die besser Verdienenden zu den Vielfliegern zählen, hätte das allein schon einen deutlichen Umverteilungsaspekt. Ebenso Holz/Pelletheizung, Gas oder Fernwärme... All das kann bepreist werden, ohne die Emissionen handeln zu müssen.

    Das Modell lässt somit viel zu viele Lücken, um tatsächlich eine verlässliche Aussage über die Umverteilung machen zu können.

    Und wenn man alle Emissionen betrachtet und in der Prognose dann immer noch eine Umverteilung von unten nach oben ersichtlich ist, kann man noch immer darüber nachdenken, von der Kopfpauschale auf eine einkommensabhängige Auszahlung umzusteigen. Täte man dies, hätte möglicherweise die CO2 Steuer einen umso deutlicher positiven Gerechtigkeitseffekt je höher sie ist. Zusätzlich könnte man nicht alle Einnahmen direkt verteilen, sonder vllt. nur 70% und mit den restlichen 30% Förderprogramme finanzieren, die z.B. Härtefällen wie Herrn Huth die Umstellung erleichtern.

    Ein kaum beachteter Aspekt ist auch, wie sich eine CO2-Steuer auf die Landwirtschaft, insbesondere die Viehzucht auswirken könnte. Auch hier könnten durch steigende Kosten Anreize entstehen, auf kleinere Zuchten, weniger Pestizide oder eben gleich biologische Landwirtschaft umzustellen. Kleinbauern und regionale Absatzmärkte würden deutlich gestärkt, die Lebensmittelqualität steigen... Alles Aspekte, die über Lebensqualität und Flexibilität auch Gerechtigkeitseffekte hätten.

    1. Alexandra Endres
      Alexandra Endres · Erstellt vor 20 Tagen ·

      Unbestritten. Ich denke, die Modellrechnungen geben Hinweise, worauf man achten muss, wenn man eine CO2-Steuer gut ausgestalten will. Als Plädoyer für den Emissionshandel will ich den piq bitte nicht verstanden wissen, für dessen vermeintliche/angebliche Überlegenheit gibt es im Artikel ja auch keine Belege.

      Interessant finde ich aber schon, dass sowohl die Berechnungen des MCC als auch des RWI darauf hindeuten, dass es eine Umverteilung vom Land in die Stadt geben könnte. (Was vermutlich auch beim Emissionshandel so wäre, oder?). In Zeiten, in denen Städte grün wählen, der ländliche Raum aber konservativ oder rechts, sollte man das meiner Meinung nach im Blick behalten.

    2. Hansi Trab
      Hansi Trab · Erstellt vor 20 Tagen ·

      @Alexandra Endres Ich denke, man kann ganz generell sagen, dass zukünftig, ob mit oder ohne CO2-Steuer oder Emissionshandel, die steigenden Kosten für Mobilität auf dem Land disproportional stärker fühlbar sein werden als in der Stadt, solange kein attraktives Verkehrsverbundssystem entsteht. Vielerorts ist das kaum möglich, deswegen ja, das lässt sich kaum verhindern. Aber wie gesagt über die Ausgestaltung der Verteilung möglicherweise mildern.

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