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Technologie und Gesellschaft

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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piqer: Christian Huberts
Donnerstag, 14.12.2017

Skip Intro: Der Anfang vom Ende des Fernsehens, wie wir es kennen?

Der Medienwissenschaftler Ian Bogost gehört zu den renommiertesten Vertretern der Game Studies. Seine Artikel und Bücher über Computerspiele haben immer wieder neue, oft zunächst obskure Perspektiven auf das Medium eröffnet. Eine Fähigkeit, die er seit einigen Jahren im The Atlantic auch regelmäßig auf andere Gegenstände anwendet. Aktuell: Netflix und der erst kürzlich hinzugefügte »Skip Intro«-Button, mit dem sich der Vorspann von Serien überspringen lässt. Klingt nach einer denkbar nützlichen und harmlosen Veränderung, aber Bogost entwickelt daraus eine recht steile These. Das Fernsehen, wie wir es kannten, weicht damit endgültig etwas Neuem.

Früher hatten auch viele Webseiten ein Intro. Es markierte einen bewussten Eintritt in einen für viele noch unbekannten und sperrigen Raum. Ein kurzer Moment des Innehaltens und der Vorbereitung. Heute werden die Funktionalitäten des Internets immer häufiger in spezialisierte und stromlinienförmige Apps gegossen. Ihre Anwendung erfolgt reibungslos und ubiquitär. Es gibt keine Grenzziehung, kein Innehalten, keine Vorbereitung mehr. Und etwas Ähnliches, so Bogost, passiere nun auch mit dem Fernsehen. Mit der Option zum Überspringen des Vorspanns, wird es nun mehr zur App, die sich widerstandslos in den Alltag einnistet. Ein Ort, den wir nicht mehr verlassen können:

Websites, and the apps that followed them, aren’t places after all. Nor are they unique, aesthetic domains one enters and leaves. They are tools, mostly, built to allow users to slip into them with minimum friction. And often, to discourage them from leaving again. Netflix’s step toward abandoning the opening sequence might suggest that television is becoming a place you can’t leave, too. […] [A]n ooze of computers and television.

Ich bin noch unsicher, ob das eine clevere Beobachtung oder nur kulturpessimistische Erbsenzählerei ist (oder beides). Auf jeden Fall zögert mein Finger nach der Lektüre nun kurz, bevor er wieder ein Intro überspringt.

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