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Technologie und Gesellschaft

Instagram frisst unsere Kinder – oder nicht?

Jannis Brühl
Redakteur
Zum piqer-Profil
Jannis BrühlSonntag, 17.10.2021

Wer ernsthaft an Gesellschaftskritik interessiert ist, sollte das Phänomen der "moral panic" kennen; und mein Lieblingsbeispiel ist das mit den satanistischen Orgien. In den achtziger Jahren steigerten sich insbesondere in den USA Eltern, Polizisten und Medien in die Vorstellung hinein, die Kindergärtner ihrer Kinder würden ihren Nachwuchs in bizarren Ritualen missbrauchen. Mehrere Menschen wurden unter dubiosen Umständen verurteilt, auch wenn die Zeugenaussagen der Kinder von Fachleuten als komplett erfunden oder von übereifrigen Ermittlern und Therapeuten eingeflüstert kritisiert wurden. (Auch in Deutschland gab es zweifelhafte Mega-Prozesse, wie die von Flachslanden und Worms.)

Was hat das mit Instagram zu tun?

Tech-Kolumnist Farhad Manjoo denkt in diesem Meinungsbeitrag für die New York Times darüber nach, ob die Vorstellung, dass Instagram Teenagern schadet, sich am Ende als "moralische Panik" entpuppen könnte:

The question is: Is social media a danger to teenagers? The answer is: We have no idea.
Nobody really does — not child-development experts, not technology companies, not teenagers and not, alas, hapless parents like myself. And in jumping to the conclusion that Facebook’s Instagram platform and other social-media services will be the ruin of the next generation, we — the news media in particular and society generally — may be tripping into a trap that has gotten us again and again.

Schon Disco, Metal, Rap und Comics wurden als Gefahr für Teenager gebrandmarkt, worüber man heute nur noch lachen kann. 

Ich mache mir Manjoos These nicht zu eigen, aber die Verve, mit der die schädlichen Auswirkungen von vielen Autoren behauptet werden – und bei Eltern logischerweise auf fruchtbaren Boden fallen – und die dünnen Forschungsergebnisse klaffen doch sehr auseinander. Die Konsequenz daraus sollte zumindest sein, mit Urteilen und politischen Forderungen abzuwarten, bis vernünftige Daten vorliegen.

Instagram frisst unsere Kinder – oder nicht?

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Kommentare 15
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor einem Monat

    Instagram schadet genauso (viel wenig) wie alle Medien und soziale Kommunikationen.
    Wie bei allen neuen Techniken fehlt vielen die Medienkompetenz und schlicht Übung und Gewöhnung - vorallem den Eltern.
    Dass soll nicht heißen, dass diese sich was einbilden weil unbekannt (=nicht nur :- ) ); nein: ihnen fehlt Erfahrungen damit und somit die Möglichkeit bzw. die (Er)Kenntnis, bei den Kindern darauf zu achten zu helfen etc.
    und DAS schadet dann den Kindern.

    Moral panic? Das ist ja wohl doch was spezielles mit spezifischen Aspekten.
    Aber ja:
    die häufige Medienkritik ala "Denkt doch mal einer an die Kinder!" hat was moralinsaures und hysterisches.

  2. René Walter
    René Walter · vor einem Monat · bearbeitet vor einem Monat

    Ich empfehle für einen umfassenden Überblick über das Thema die Artikel-Sammlung von Jonathan Haidt, in der dieser Artikel ebenfalls auftaucht https://docs.google.co...

    Ich denke nicht, dass die These einer Moral Panic haltbar ist, dazu ist das Zahlenmaterial zu umfassend und eine Moral Panic hat andere Wesensmerkmale imho. So wurde etwa die Satanic Panic in den 80ern von christlichen Gruppen ausgelöst. Die Kritik an Social Media im Zusammenhang mit Mental Health-Issues wurde zum größten aus sozialwissenschaftlicher Akademia angestoßen. Ich vermute, dass Akademiker im Beruf nur wenig zu "Panics" tendieren.

    Darüber hinaus konzentrieren sich diese "Moral Panic"-Artikel gerne auf eine Studie oder einen Leak, wie nun bei Facebook, und ignorieren dabei die mannigfaltigen Phänomene wie Zoom Dysmorphia oder, neu, sozial ansteckendes Tik Tok "Tourette".

    Aber immer gut, kritische Stimmen zu hören. Schärft nur die eigene Haltung. Danke!

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor einem Monat · bearbeitet vor einem Monat

      Beim Überfliegen der Sammlung scheinen mir die Ergebnisse der Studien sehr unterschiedlich und komplex in den Aussagen? Und aus der Anzahl der Daten kann man auch schlecht auf die wirkliche Bedeutung der Phänomene für die Gesellschaft schließen. Oder wie ein Abstract formuliert:

      "Between individuals, SNS use was associated with lower well-being. However, within individuals, year-to-year changes in SNS use were not prospectively associated with changes in wellbeing (or vice versa). Overall, our analyses suggest that the conclusions about the causal impact of social media on rising mental health problems in the population might be premature."

      Oder das hier: "Adolescents with higher use of social media report more symptoms of mental health problems, but there is no evidence for a longitudinal association between increased use and mental health problems. This suggests that social media may be rather an indicator than a risk factor for symptoms of mental ill-health."

      Auch nicht schlecht:

      "The current research involves an 8-year longitudinal study examining the association between time spent using social media and depression and anxiety at the intra-individual level. Participants included 500 adolescents who completed once-yearly questionnaires between the ages of 13 and 20. Results revealed that increased time spent on social media was not associated with increased mental health issues across development when examined at the individual level. Hopefully these results can move the field of research beyond its past focus on screen time."

    2. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor einem Monat · bearbeitet vor einem Monat

      Das mit dem tiktok tourette aktuell klingt für mich völlig absurd. Allerdings lasse ich mich da gern überzeugen...

      Aber es erinnert mich schon an Sprüche wie Lesen schadet den Augen etc.

    3. René Walter
      René Walter · vor einem Monat · bearbeitet vor einem Monat

      @Cornelia Gliem Sind halt gleich zwei Studien: https://www.piqd.de/te...

      Epidemie ist sicher übertrieben, aber bemerkenswertes Phänomen halt. Mehr Memetik als tatsächliche Mental Health-Issue. Die Kids haben sich halt die Tiks abgeguckt, die sind viral gegangen.

  3. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor einem Monat

    Unsere ganze westliche Gesellschaft, zumindest die intellektuelle Klasse, befindet sich zu guten Teilen in Moral Panic. Wir begehen Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

    1. Silvio Andrae
      Silvio Andrae · vor einem Monat

      Meines Erachtens müssen wir zwischen Risiko und Gefahr unterscheiden. Letztgenannter Begriff ist ontologisch. Risiko ist hingegen eine Beobachtungsform - man weiß zu wenig und ist sich uneinig über die Konsequenzen. Jede Gefahr lässt sich zwar auch als Risiko kalkulieren. Aber es gibt kein objektives Kriterium, wann ein Unglück eine Katastrophe ist. Mit anderen Worten: Übersetzt man das Übel der Welt in Risiko oder Katastrophe? Was wir heute beobachten, ist eine Fokussierung auf das Restrisiko. Es wird zur Hauptgefahr stilisiert. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir alle von technischen Systemen abhängig sind. Sie haben eine derartige Komplexität, dass eine Berechnung der künftigen Entwicklung unmöglich erscheint (dynamisches Risikomanagement hin oder her). Wenn aber Risikomanagement schwierig ist, dann ist die Angst vor der Gefahr und die Forderung nach Sicherheit einfach.
      Jede Entscheidung transformiert Unsicherheit in Risiko. Das gilt aber nur für den Entscheider und nicht für die Betroffenen. Sie haben einen anderen Blick darauf. Sie haben Angst. Jeder Versuch, Angst zu bändigen, führt nur noch zu mehr Angst. Wir sind in der Angstspirale.

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor einem Monat · bearbeitet vor einem Monat

      @Silvio Andrae Ja, das sehe ich auch so. Hab es nur nicht so treffend formulieren können …..😏

      Ich würde noch hinzufügen, das die Entscheider durch die Angst der Betroffenen (selbst sind sie ja auch solche) nicht unbeeinflußt bleiben.

  4. Nutzer gelöscht
    Nutzer gelöscht · vor einem Monat

    Der Anspruch, mit Konsequenzen abzuwarten, bis vernünftige Daten vorliegen, könnte auch durchaus fahrlässig sein. Nämlich genau dann, wenn sich die Befürchtungen bestätigen sollten (für die es mittlerweile durchaus mindestens einige stichhaltige Indizien gibt). Das als großes Experiment an Kindern und Jugendlichen zu verproben kann nicht die Lösung sein und zeigt einmal mehr, dass Wirtschaft vor Gesellschaft und Gesundheit geht.

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor einem Monat

      ...ja und zusätzlich sehe ich da immer eine gewisse Unwilligkeit und Leichtfertigkeit bei vielen digitalen Alphatierchen. Auch wenn es Daten gibt oder einfach schlüssige Befürchtungen, wird das gerne runtergespielt und relativ pauschal als kulturpessimistisch und oder sogar technikfeindlich diffamiert. Will man halt nicht gerne hören, dass auf dem Lieblingsspielplatz vielleicht der Sandkasten vergiftet ist.

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor einem Monat · bearbeitet vor einem Monat

      @Marcus von Jordan Oder umgedreht? Für meine Eltern hat diese Rockmusik die Sandkästen vergiftet. Stones, Bob Dillon und so - die waren der Tod jeder Erziehung. Diese enthemmten Fans bewiesen das deutlich. Und Studien gab es auch …..

    3. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor einem Monat

      @Thomas Wahl ja oder eben mal wieder nicht einfach schwarz und weiß?
      Ich hab ja ein paar Studienobjekte, inklusive meiner selbst, im Zugriff. Die vordergründigen Themen "ständige Ablenkung", "krasse Segmentierung der Aufmerksamkeit" und "krasse Oberflächlichkeit und Polarisierung der Betrachtung" sind für mich ohne jede Studie sichtbar und sowieso schlüssig und aber natürlich auch in Studien behandelt. Und das mag ja schon keiner betrachten. Dabei geht es ja gar nicht immer gleich um die Bewertung, sondern einfach erstmal um das Wahrnehmen von Veränderung.

    4. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor einem Monat

      @Marcus von Jordan Ja, das schwarz-weiß sehe ich auch als Problem. Die Themen "ständige Ablenkung", "krasse Segmentierung der Aufmerksamkeit" und "krasse Oberflächlichkeit und Polarisierung der Betrachtung" hat noch jede Generation mindestens seit Erfindung des Buchdruckes vorgebracht. Aber das ist ja nicht alles was die potentiale der neuen Medien ausmacht. Aspekte wie bei Piqd gehören ja auch dazu. Und natürlich muß jede Erziehung irgendwie darauf achten, das negative Potential zu verringern, in den Griff zu bekommen. Aber dabei geht es um junge Menschen, die auch ihren Weg finden müssen. Und wenn wir glauben, das man mit 16 wählen kann, dann sollten wir ihnen auch zutrauen letztendlich die sozialen Medien zu nutzen. So wie wir die unseren kulturellen und technischen Entwicklungen. Mit allen Irrungen und Wirrungen.

    5. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor einem Monat

      @Thomas Wahl wann hätte es "ständige Ablenkung", "krasse Segmentierung der Aufmerksamkeit" und "krasse Oberflächlichkeit und Polarisierung der Betrachtung" in auch nur irgendwie ähnlicher Potenz gegeben?
      Ich bin nicht für Wahlrecht mit 16.
      Und für mich es ist nötig und normal und selbstverständlich, dass eine Gesellschaft von Erwachsenen sich reflektiert und sich damit befasst, wie was auf ihre Kinder und Jugendlichen wirkt und ggf. Entscheidungen zu ihrem Schutz trifft.

    6. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor einem Monat

      @Marcus von Jordan Ich schrieb, die Vorwürfe hat es immer gegeben. Die Angst, dass neues vornehmlich schädlich ist. Ob der Buchdruck und das sich verbreitende Lesen als neue Kulturtätigkeit im Vergleich zu heutigen neuen Medien nicht eine ebensolche Potenzierung von Ablenkung, Aufmerksamkeitssegmentierung, Polarisierung der Betrachtungsweisen gewesen ist, das müßte man "messen". Es zu behaupten, zu fühlen oder zu meinen reicht da nicht.

      Die Religionskriege, die etwa mit dem massenhaften Druck der Bibel einhergingen, sprechen jedenfalls für eine Polarisierung. Der Protestantismus war u.a. Resultat einer Medien- und Kommunikationsrevolution. Und der stark wachsende Zeitaufwand für Lesen wurde auch erst möglich mit der Arbeitsteilung und steigenden Produktivität in den Städten. Und wurde von vielen als oberflächlich empfunden/gewertet.

      Natürlich ist es normal, das sich Elterngenerationen um die Erziehung, die Mediennutzung, Gedanken machen, die Methoden weiterentwickeln. Das hab ich ja auch formuliert. Aber wir brauchen eben auch immer die historischen Maßstäbe zur Bewertung. Ohne die Verfallen wir, wie viele Generationen vor uns, in die Vorstellung, unsere Zeit wäre was total besonderes - besonders toll, besonders schlimm oder gar besonders apokalyptisch.

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