Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Technologie und Gesellschaft

Michael Seemann
Kulturwissenschaftler, Autor, Internettheoretiker
Zum piqer-Profil
piqer: Michael Seemann
Mittwoch, 20.06.2018

Die Dystopie der totalen Optimierung

Effizienz und Optimierung haben einen schlechten Klang. Diese Begriffe wirken so kalt und bürokratisch. Zu unrecht! Sie ermöglichen schließlich den Wohlstand, in dem wir leben. Mit ihrer Hilfe sparen wir auch natürliche Ressourcen und schonen die Umwelt. Und seien wir ehrlich: Wer mag schon ineffiziente Prozesse - etwa an der Supermarktschlange, dem Ticketautomaten oder der Steuererklärung … na gut, da erwarten wir sie quasi.

Aber geht da nicht noch mehr? Wie sähe ein wirklich durchoptimiertes Leben aus? Wie wäre es zum Beispiel, in einer hypereffizienten Stadt zu leben?

Gott sei Dank sind Computerspiele Kraft ihrer Komplexität längst ihrer Bestimmung als reiner Zeitvertreib entflohen (auch mittels Optimierung) und können nun Antwort darauf geben. 

Vincent Oscala, ein Architekturstudent aus den Philippinen hat mit SimCity 3000 die komplett durchoptimierte Stadt geschaffen. Hier leben 6 Millionen Bürger/innen auf engstem Raum. Es gibt keine Straßen, nur öffentlicher Nahverkehr. Kriminalität ist kaum vorhanden und Leerstand gibt es nicht. 

Das allseits beliebte Spiel ist eine Art Stadtsimulation, bei der man als allmächtiger Bürgermeister alle Rahmenbedingungen setzen kann, damit Menschen und Unternehmen sich ansiedeln, ihr Einkommen erwirtschaften und am besten auch dort leben bleiben. Dafür braucht es allerlei Infrastruktur, eine kluge Steuerpolitik und andere Rahmenbedingungen. Ziel ist es unter anderem, so viele Menschen wie möglich anzusiedeln.

Das hat Oscala geschafft. Die Schattenseite: Es gibt keine Bildung, keine Gesundheitsvorsorge aber dafür viele unglückliche Menschen, die nur um die 50 werden, also quasi aus ihrem Arbeitsplatz herausgetragen werden. Die Stadtteile sind füreinander unerreichbar und existieren nebeneinander her. Die Stadt ist eine riesige, gleichförmige Betonwüste, ein riesiges, effizientes Gefängnis.

Oscala hat eine gut funktionierende Dystopie geschaffen. Quasi als Warnung an uns alle, wohin der Optimierungswahn hinführen kann.

Die Dystopie der totalen Optimierung
8,3
4 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!