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Technologie und Gesellschaft

Whistleblower

Whistleblower werden von der einen Seite als Helden, von der anderen Seite als Kriminelle angesehen. Die Einen rufen nach Gewährung von Asyl, die Anderen nach Auslieferung. Wie kann man dazu stehen wenn jemand illegal auf illegale Umstände aufmerksam macht?

Weitere Informationen zum Thema Whistleblower

Whistleblower möchten Missstände, Ungerechtigkeiten und kriminelle Handlungen öffentlich machen, die einer Volkswirtschaft insgesamt Schaden zufügen. Der Whistleblower schlägt buchstäblich Alarm, denn wörtlich bedeutet "to blow the whistle“, auf der Trillerpfeife zu pfeifen. Whistleblower fühlen sich der Allgemeinheit mehr verpflichtet als sich selbst. Sie decken auf und verbreiten ihre Informationen häufig anonym, da sie sich vor Verfolgung schützen müssen. Daraus finanziellen Nutzen zu ziehen, ist nicht ihr Hauptanliegen, auch wenn finanzielle Vorteile durchaus möglich sind.

Je nach Ausmaß der Gefahr und der Zahl der Menschen, die davon betroffen sind, ist es wichtig, Alarm zu schlagen. Bei den angeprangerten Missständen handelt es sich fast immer um Situationen, in denen sich Unternehmen oder Institutionen nicht gesetzeskonform verhalten, beispielsweise nicht die vorgegebenen Qualitätsstandards einhalten. Das können Behörden und Konzerne sein, die Gelder veruntreuen oder Unternehmen, die eine Gefährdung ihrer Arbeitnehmer durch schädliche Arbeitsbedingungen wissentlich in Kauf nehmen. Ein Whistleblower kann Steuerhinterziehung aufdecken oder die Machenschaften einer Firma, die jahrelang schadhafte Bauteile für ihre Maschinen verwendet hat.

Es gibt verschiedene Wege des Whistleblowings. Geht es um Betrug im großen Umfang, sind die schnellen Verbreitungswege des Internets beim Kommunizieren der Straftat sehr nützlich. Auch in einer Firma kann ein Mitarbeiter als Whistleblower auftreten und auf Probleme, Risiken und Missstände hinweisen. Allerdings macht er sich in Deutschland damit nicht immer beliebt. Whistleblower warnen bereits, bevor das "Kind in den Brunnen gefallen" ist. Man müsste also davon ausgehen können, dass ihr Handeln begrüßt wird. Doch das ist keineswegs der Fall. Wer angeprangert wird, hat Angst vor den Folgen, denn er muss die Missstände meist mit viel Geld beseitigen.

Die Medien zu informieren, ist die wirksamste Methode, um für eigene Anliegen Öffentlichkeit zu schaffen. In vielen spektakulären Fällen haben sich Whistleblower an die Presse gewandt und mussten daraufhin im Exil Schutz suchen. Auch hier droht die Gefahr, dass sie in ihr Heimatland ausgeliefert werden. Leider werden Whistleblower häufig als Nestbeschmutzer und Verräter in den eigenen Reihen betrachtet. Sie setzen sich damit großer Not aus. In der Bundesrepublik Deutschland sind Whistleblower nicht rechtlich geschützt. Auch hier kann ein Whistleblower seine Arbeit verlieren und es "winkt" die Strafverfolgung mit möglicher Haft. Die Konsequenzen hängen immer mit der Tragweite des öffentlich gemachten Problems zusammen. Daraus erwächst ein großer innerer Konflikt. Whistleblower müssen sich zwischen schweigen und öffentlich machen entscheiden und gegebenenfalls in Kauf nehmen, im Gefängnis zu landen. Ihre hehren Absichten werden damit ad absurdum geführt.