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Technologie und Gesellschaft

Netzneutralität

Netzneutralität ist die Gleichberrechtigung aller Daten bei ihrer Online-Übertragung. Das ist bei Unternehmen nicht immer möglich oder erwünscht.

Weitere Informationen zum Thema Netzneutralität

Die Netzneutralität bedeutet, dass Daten diskriminierungsfrei und mit gleichen Rechten im Netz übertragen werden. Das ist nicht selbstverständlich, es gibt auch Datendienste ohne Netzneutralität. Diese Dienste bevorzugen die Daten einiger Versender und/oder Empfänger, weil diese als bedeutsamer gelten und in der Regel die Vorzugsbehandlung vergüten. Internetdienstanbieter hingegen, die sich der Netzneutralität verpflichtet fühlen, behandeln alle Datenpakete gleich. Die Gleichbehandlung bezieht sich auf den Sender und den Empfänger, auf den Inhalt der Pakete sowie auf die Anwendung, welche ein Paket generiert hat.

Der Begriff der Netzneutralität hat eine starke politische Dimension, der US-amerikanische Programmierer und Jurist Tim Wu brachte ihn ab 2002 ins Spiel. Es geht grundsätzlich um die neutrale und damit gleichberechtigte Online-Übertragung von Daten, die technisch keinesfalls zwingend ist. Das Militär, Staaten und starke Konzerne sind nicht unbedingt an Netzneutralität interessiert, sie würden es gern sehen, das ihre Daten bevorzugt behandelt werden. Eine völlige Netzneutralität gibt es auch nicht. Sie würde bedeuten, dass jedes Datenpaket in einem egalitären Netz nach den absolut gleichen Kriterien verschickt wird. Damit müssten sich alle Datenpakete die vorhandenen, stets begrenzten Netzressourcen teilen. Weil das schwer zu realisieren ist und auf den Widerstand starker Teilnehmer stößt, konnten sich auch andere Auslegungen des Begriffes einer Netzneutralität etablieren. So gilt es schon als netzneutral, wenn gleiche Dienste adäquat behandelt werden. Diese Art der Netzneutralität unterteilt den Datenverkehr in Kategorien wie Webseiten, Rundfunk/Fernsehen, Telefonate oder die Dateiübertragung. Technisch sinnvoll ist dieses Verständnis von Netzneutralität durchaus, denn die genannten unterschiedlichen Dienste benötigen jeweils eine unterschiedliche Übertragungsgüte. Während Telefonate und viele Webseiten mit einer geringen Datenrate auskommen, ist diese bei Datei- und Videoübertragungen sehr hoch.

In die Diskussion geriet die Netzneutralität in Deutschland, als die Telekom ab 2013 erwog, die Daten der Tarife mit begrenzten Datenvolumina nicht mehr netzneutral zu behandeln. Das stieß auf erbitterten Widerstand der Verbraucher, jedoch stellte sich heraus, dass sich so ein Vorgehen durchaus mit der Netzneutralität vereinbaren lässt, wenn alle Dienste gleichermaßen begrenzt werden. Die Telekom handelte keinesfalls aus Gier oder schikanösen Absichten auf diese Weise, sondern aus schierer technischer Not. Wenn Internetdienstanbieter die immer größeren Datenmengen bewältigen möchten, können sie entweder ihre Netze permanent ausbauen, was teuer ist, oder verschiedene Daten schneller, andere langsamer transportieren. Die entsprechenden Stellschrauben sind die Datenrate (Bandbreite), die Verzögerung der Übertragung und der Paketverlust.

Bei den Betreibern von Telekommunikationsnetzen ist eine strikte Netzneutralität aus den beschriebenen technischen Gründen unbeliebt. Sie bieten lieber unterschiedliche Qualitätsgarantien für die Datenübertragung an und argumentieren, dass so ein Vorgehen effizienter ist als eine vollkommene Netzneutralität. Datenstaus ließen sich auf diese Weise besser verhindern, wichtige Daten würden weiterhin mit garantierter Übertragungsqualität übertragen, davon profitieren die Nutzer mehr als von der Netzneutralität. Wenn sich Letztere aber auch politisch-gesellschaftlich und damit per Reglementierung durchsetzt, wozu es schon Versuche auf EU-Ebene gibt, dürfte der Datenbetrieb teurer werden, ohne dass ein Großteil der Nutzer etwas von der Netzneutralität bemerkt oder davon profitiert. Kritiker wünschen jedoch ein neutrales Netz, damit nicht finanzstarke Unternehmen oder der Staat eine Monopolstellung im Netz erlangen können. Die politische Diskussion um ein neutrales Netz wird also nicht so schnell enden.