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Technologie und Gesellschaft

Netzkultur

Was ist Netzkultur? Wie hat sich unsere Kultur durch das Internet verändert? Wie unterschiedlich ist unser Verhalten online und offline und warum?

Weitere Informationen zum Thema Netzkultur

Der Begriff "Netzkultur" beschreibt die Kultur der Digitalkommunikation in Datennetzen. Diese ist für zahlreiche Menschen ein fester Bestandteil des Alltags geworden. Soziale beziehungsweise gesellschaftliche Auswirkungen des Austauschs in Datennetzen werden mit Begriffen wie "Cybergesellschaft" beschrieben.

Netzkultur meint die Sozialordnung im Cyberspace als Aspekt der Informationsgesellschaft und Erweiterung der menschlichen Gesellschaft. Sie findet in der weltweiten Internetkultur - vor allem in Online-Gemeinschaften und sozialen Netzwerken - Ausdruck. Hierbei wird - im Gegensatz zu Schlagwörtern wie "Netzgemeinschaft" oder "Internetgemeinde" - keine Verbundenheit oder Gemeinschaftlichkeit unterstellt. Die Internetsoziologie untersucht die Interaktion der Teilnehmer mitsamt Gruppenbildung sowie Kontroll-, Konkurrenz- und Verdrängungseffekten. Dabei besonders von Interesse: die Auswirkungen des Mediums Internet auf Mensch und Gesellschaft.

Mit der Entwicklung von Daten- beziehungsweise Computernetzen ist ein neues Medium mit autonomen Formen der digitalen Kommunikation entstanden, die die bisherigen, herkömmlichen Kommunikationswege ergänzen und erweitern. Auf diese Art und Weise entsteht eine Art der Gemeinschaft - vorausgesetzt, es existiert ein Zugang zu ebendieser neuen Interaktionsform. Es erfordert gewisse wirtschaftliche und intellektuelle Fähigkeiten, genauso wie eine versorgungstechnische, gesamtgesellschaftliche Infrastruktur. Nach der Einführung des Internets zum militärischen und wissenschaftlichen Austausch begannen schon bald auch "Informationseliten" - Bildungseliten in Industriegesellschaften - die neue, computervermittelte Kommunikation für sich zu nutzen. Heutzutage übernehmen Daten- beziehungsweise Computernetze wie das Internet regelmäßig die Aufgaben von Telefon und Briefpost. Auf diese Art und Weise entstehen immer neue und weitere Aspekte der Gesellschaft mitsamt Gruppierungen und Gemeinschaften. Cyberanthropologie und Internetsoziologie untersuchen die Entstehungsweise von Gruppierungen, Hierarchien, Wertsystemen, Verhaltensweisen und Moralvorstellungen in der nationalen und internationalen Netzkultur - vor allem, wie sich die soziale und politische Öffentlichkeit durch den Einfluss des Internets verändert hat und noch verändert.

In der Netzkultur sind Geld, Macht, Einfluss und Charisma zunächst bedeutungslos. Statusbegründende Eigenschaften wie Beruf, Geschlecht und Lebensalter können hier nicht dazu genutzt werden, um den anderen zu beeinflussen - Mimik, Gestik, Hautfarbe, Attraktivität und Behinderungen bleiben zumindest weitestgehend unsichtbar. Ebendieses (gleichmachende) Moment gilt für gewöhnlich als größter Vorteil und Fortschritt des Internets und der Cybergesellschaft. Zwar kann hin und wieder durchaus die Bildung von Gruppen und Eliten beobachtet werden, es handelt sich hierbei aber vorwiegend um kleine, instabile Sekundäreliten. Ein weiterer Vorteil der Netzkultur ist die Möglichkeit, Informationen schneller und kostengünstiger verbreiten zu können. Andererseits ist in der Netzkultur die soziale Filterung des menschlichen Verhaltens weitestgehend aufgehoben. Das bedeutet, dass Aspekte wie "Gruppenzwang" sowie Hemmschwellen entfallen. So können sich auch all jene äußern, die für gewöhnlich nicht zu öffentlichen oder schriftlichen Auftritten oder Stellungnahmen in der Lage sind - sei es aus geistigen, seelischen oder körperlichen Gründen. Es ist daher schwierig, eine rein virtuelle Gruppe zu realen, gemeinsamen Positionen oder Handlungen zu bewegen.

Zu den politisch relevanten Themen der Netzkultur gehören Datenschutz und Informationsfreiheit genauso wie die Förderung autonomer Informationsinfrastruktur und freier Inhalte. Auch die Wissenschaft hat mittlerweile ein eigenes Forschungsfeld zur Netzkultur ausgebildet. Im Mittelpunkt steht der Austausch zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Individuen.