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Technologie und Gesellschaft

Informationsgesellschaft

Wie das Internet in die Welt und unsere Gesellschaft vordringt, was für Möglichkeiten und Gefahren sich in einer Informationsgesellschaft bieten und die Netzpolitik national und international.

Weitere Informationen zum Thema Informationsgesellschaft

Die Informationsgesellschaft basiert auf Technologien der schnellen Übermittlung von Informationen und der schnellen, umfassenden Kommunikation. Der entsprechende Prozess durchdringt alle Lebensbereiche und lässt eine postindustrielle, gleichzeitig postmoderne Gesellschaft entstehen, die erstmals ab 1979 durch Nora und Minc beschrieben wurde. Es gibt keine starre Definition einer Informationsgesellschaft, auch Begrifflichkeiten wie Kommunikations- und Wissensgesellschaft werden oft verwendet.

Die Informationsgesellschaft tritt in verschiedenen Formen als Informationsökonomiegesellschaft mit wirtschaftlichem Schwerpunkt („quartärer“ Sektor), als Informationstechnologiegesellschaft oder auch als Informationsbenutzungsgesellschaft auf. Das bedeutet, die Informationsgesellschaft bringt nicht nur allen Menschen mehr und schnellere Informationen, sondern sie verändert auch die Wirtschaft. Es entstehen neue Produktionsformen, Branchen und Gewerke. Auch entwickeln sich rasant die Technologien zur Informationsverarbeitung. Am deutlichsten ist das an der Entwicklung des (auch mobilen) Internets zu erkennen.

Dem Begriff einer Informationsgesellschaft liegen verschiedene Konzeptionen zugrunde. Claude Elwood Shannon entwarf schon 1948 ein entsprechendes Kommunikationsmodell, das er auch mathematisch begründete (“The Mathematical-Theory of Communication), im selben Jahr publizierte der Kybernetiker Norbert Wiener zu dieser Thematik und prognostizierte gravierende Umschichtungen aufgrund der Automatisierung der Produktion. In den 1960er Jahren entwarfen US-amerikanische und japanische Wissenschaftler das theoretische Konstrukt, das bis heute die Informationsgesellschaft beschreibt. Die Realität folgte dieser Theorie, denn spätestens ab den 1970er Jahren war aufgrund des Wandels hin zu einer Informationsgesellschaft eine Änderung in der Beschäftigungsstruktur von industrialisierten Staaten zu beobachten. Ab den 1980er Jahren trennte man das Konzept der Informationsgesellschaft begrifflich vom Dienstleistungssektor ab, Wissenschaftler konstatierten eine kommunikative Revolution und rückten diese ab den 1990er Jahren in ihren Fokus, weil das Internet sich technisch so entwickelte, das es zum normalen Kommunikationsmittel der breiten Öffentlichkeit wurde.

Als die “Internet-Blase” nach 2001 platzte, war der Begriff der Informationsgesellschaft zunächst diskreditiert. Dabei handelte es sich hierbei um ein finanztechnisches Phänomen. Die Internet-Firmen waren einfach bei und nach ihren Börsengängen viel zu hoch bewertet worden, weil Anleger auf ein rasantes Erstarken der Informationsgesellschaft gesetzt hatten und sich die börsliche Entwicklung wie bei jeder Blase daraufhin verselbstständigte. Doch das Platzen der Dotcom-Blase zog wissenschaftliche Betrachtungen nach sich wie die des Wissenschaftstheoretikers Helmut F. Spinner, der eine Degeneration der Wissensgesellschaft ausmachte und die Informationsgesellschaft als Vorstufe hierzu identifizierte. Diese Betrachtung verdient eine Würdigung, denn viele und sehr schnell verfügbare Informationen bedeuten nicht unbedingt tieferes Wissen. Technologien der Suchmaschinenoptimierung führen beispielsweise dazu, dass sehr viel oberflächliche Information allein für das bessere Ranking von Webseiten per Verlinkung verbreitet wird.

Nicht zu verkennen ist allerdings der Technologieschub, den die Informationsgesellschaft auslöste. Informationen werden immer schneller und in immer größeren Mengen übertragen, gespeichert und für Berechnungen genutzt. Der Informationsaustausch wuchs in den letzten rund 30 Jahren um jährlich etwa 30 %, damit übersteigt dieses Wachstum das der Weltwirtschaft um das Fünffache. Schon seit den 1990er Jahren wurde daher postuliert, dass uns die moderne Informationsgesellschaft zwar sehr viele Informationen sehr schnell verschafft, uns aber auch dazu zwingt, diese zu bewerten und zu selektieren.