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Technologie und Gesellschaft

Hate Speech

Anonymität und das Verstecken hinter einem Bildschirm lassen Menschen Hate-Speech im Internet verbreiten. Viel zu viele strafbare Inhalte bleiben im Netz. Rassismus, Antisemitismus und Frauenhass im Netz und was Politik und soziale Netzwerke dagegen unternehmen.

Weitere Informationen zum Thema Hate Speech

Der Begriff "Hate Speech" oder "Hassrede" beschreibt Ausdrücke des Hasses, die die Herabsetzung bestimmter Personen oder Personengruppen anpeilen. In den Vereinigten Staaten von Amerika wird der Begriff Hate Speech in politischen, juristischen und soziologischen Diskursen verwendet. Zur Hate Speech oder Hassrede zählt auch die Benutzung von Ethnophaulismen, also von abwertenden Bezeichnungen für ethnische Gruppen.

In Deutschland, Österreich und Frankreich wurden hohe Hindernisse gegen Hate Speech errichtet. Dagegen sind zahlreiche, verschiedene Formen der Hassrede in Großbritannien und Ungarn geschützt. Konsequent eingeschränkt sind Leugnungen des Holocaust sowie anderer Genozide. Die römisch-katholische Kirche sanktioniert Hassreden und Hasspredigten von Kirchenmitgliedern mit Kirchenstrafen, festgelegt im kanonischen Recht.

Hate Speech beziehungsweise Hassrede ist kein sprachwissenschaftlicher, sondern ein politischer Begriff. Sein Bezug zu juristischen Tatbeständen ist mehr oder weniger stark. In Deutschland fällt die Hate Speech unter den Tatbestand der Volksverhetzung. Eine Volksverhetzung liegt dann vor, wenn jemand auf störende Art und Weise zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen oder zum Haß gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt. Ein weiteres Merkmal ist, dass die Menschenwürde von Teilen der Bevölkerung verleumdet, beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht wird. Eine Hassrede fasst alle Ausdrucksformen, die Rassismus, Intoleranz, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit fördern, verbreiten oder rechtfertigen. Vom Begriff der Beleidigung unterscheidet Hate Speech sich dadurch, dass hier nicht ein Individuum, sondern eine Gruppe verunglimpft oder herabgewürdigt wird.

Eine Hate Speech, so lässt sich argumentieren, liegt dann vor, wenn die oder der Sprechende Hass empfindet und/oder wenn er erreichen will, dass ihre oder seine Zuhörerinnen oder Zuhörer ein Gefühl des Hasses empfinden. In der Kommunikation spielt also die Intention des Sprechenden eine Rolle. Übrigens ist es durchaus möglich, sprachlich Hass gegen Gruppen oder Personen auszudrücken, ohne dass dieser tatsächlich empfunden wird oder ausgelöst werden will. In der Diskussion der Öffentlichkeit wird nicht selten argumentiert, dass Hate Speech dann vorliegt, wenn es Personen gibt, die sich durch eine Rede herabgesetzt oder verunglimpft fühlen. Ausdrücke können in zwei unterschiedlichen Formen für Hate Speech verwendet werden: Einerseits, indem sie sich direkt auf eine Gruppe beziehen - so beispielsweise, wenn ein Homosexueller als "Schwuchtel" beschimpft wird -, andererseits, indem sie sich indirekt auf eine Person außerhalb dieser Gruppe beziehen - so beispielsweise, wenn ein Heterosexueller als "Schwuchtel" beschimpft wird.

Generell sind Ausdrücke mit einer pejorativen, also herabwürdigenden Bedeutung die klarste und eindeutigste Erscheinungsform von Hate Speech. Schwerer zu erkennen sind Fälle, in denen die Aussage harmlos oder sogar positiv daherkommt - so beispielsweise in einer Aussage wie "Er ist schwul, aber total männlich." Weitere Fälle, die unter den Begriff der Hassrede fallen, sind Fälle, in denen eine Bevölkerungsgruppe dadurch verunglimpft oder herabgewürdigt wird, dass sie unerwähnt bleibt, obwohl sie eigentlich erwähnt werden müsste, um ihr auf diese Art und Weise die Existenz abzusprechen. Übrigens: Hate Speech ist kein vorrangig sprachliches, sondern vielmehr ein gesellschaftliches Problem. Sprachausdrücke bewerten oder beschreiben nicht; vielmehr handelt es sich um ein Abbild der physikalischen sowie gesellschaftlichen Realität. Hassrede ist also nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern zentral an der Erzeugung von Hass beteiligt und sollte daher immer und überall bekämpft werden.