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Technologie und Gesellschaft

Auch bei Geiselnahmen von Netzdiskursen hilft nur gutes Verhandeln

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
Zum piqer-Profil
Christian HubertsDonnerstag, 18.03.2021

Die Gründe dafür, warum Diskurse in der Netzöffentlichkeit so schnell entgleisen, sind vielfältig. Vermeintlich getrennte Filterblasen berühren sich in Wirklichkeit unentwegt. Komplexe Themen und nuancierte Emotionen müssen immer wieder auf 250 Zeichen, eine Minute Video, Bilder mit Zitat-Snippet oder eine Überschrift, die richtig geil klickt, eingedampft werden. Die intransparenten Mechanismen unserer digitalen Kommunikationswerkzeuge begünstigen oft das Plakative und Schrille vor dem Differenzierten und Achtsamen. Kein Wunder also, wenn man regelmäßig den Eindruck gewinnt, Themen, Begriffe und Gruppen werden in rhetorische Geiselhaft genommen, um bloß nicht angreifbar zu sein. Hände hoch oder ich schreibe einen Essay über »Cancel Culture«! Dass wir als Menschen darüber hinaus in Diskussionen generell nicht so rational unterwegs sind, wie wir das gerne hätten, macht es nicht einfacher.

If humans were purely rational entities, we would listen politely to an opposing view before offering a considered response. In reality, disagreement floods our brain with chemical signals that make it hard to focus on the issue at hand. The signals tell us that this is an attack on me. “I disagree with you” becomes “I don’t like you”. Instead of opening our minds to the other’s point of view, we focus on defending ourselves.

Für seinen Long Read im Guardian lässt der Journalist Ian Leslie die technologischen Aspekte eskalierender Netzdiskussionen weitgehend außer acht und konzentriert sich stattdessen auf die Faktoren, die wir unmittelbar beeinflussen können, um online besser miteinander zu diskutieren: unseren individuellen Umgang mit der anderen Seite. Dabei greift er, vielleicht gar nicht so überraschend, auf Expertise aus Verhandlungen mit Geiselnehmer*innen zurück. Eine zentrale Fähigkeit ist dabei, das Selbstbild des Gegenübers zu bestätigen, ohne dabei zwingend in der Sache zuzustimmen. Nehmen wir die andere Person spürbar nicht ernst, missachten den erhofften oder tatsächlichen Status, werden Verhandlungen dysfunktional – bei Geiselnahmen und im Netz.

When a debate becomes volatile and dysfunctional, it’s often because someone in the conversation feels they are not getting the face they deserve. This helps to explain the pervasiveness of bad temper on social media, which can sometimes feel like a status competition in which the currency is attention. On Twitter, Facebook or Instagram, anyone can get likes, retweets or new followers – in theory. But although there are exceptions, it is actually very hard for people who are not already celebrities to build a following. Gulled by the promise of high status, users then get angry when status is denied.

Ein weiterer, damit zusammenhängender Aspekt ist das meist vorhandene oder zumindest so erlebte Machtgefälle in Diskussionen. Ian Leslie spricht davon, dass eine Partei »one-down« ist. Ein*e Geiselnehmer*in ist one-down, weil die Polizei langfristig am größeren Hebel sitzt. Marginalisierte Gruppen sind häufig one-down, weil ihre Belange im Rest der Bevölkerung nicht selbstverständlich auf Gehör stoßen. Selbst einflussreiche Politiker*innen können sich one-down fühlen, wenn die Diskurshoheit wackelt. Eine unsichere Position, die schneller zu unproduktiven Verteidigungsreflexen und unfairen Angriffen führen kann. Wer »one-up« ist oder sich so fühlt, hat hier also eine besondere Verantwortung und sollte dieses Ungleichgewicht nicht ausnutzen.

It is in a negotiator’s interest for their counterpart to feel as secure as possible. Skilled negotiators are always trying to create the adversary they want. They know that when they’re one-up, the smart thing to do is to narrow the gap.

Diese Erwägungen und Strategien stehen und fallen natürlich mit der Frage, ob man sein gegenüber auch tatsächlich überzeugen möchte. Bei Geiselnahmen mag die Sache klar sein, im Netz jedoch nicht immer. Manches, das vordergründig wie eine hitzige Diskussion aussieht, entpuppt sich bei genauerem Blick als bloße Inszenierung von Diskurs, die den Rückzug in die eigene Blase tarnt. »[F]ight as a smokescreen for flight«, wie Leslie schreibt. Wo aber tatsächlich die Chance eines Meinungswechsels oder der gegenseitigen Annäherung besteht, lohnte sich die »face work«. Lesenswert!

 [B]y showing that we have listened to and respected our interlocutor’s point of view, we make it more likely that they will come around at some later point.
Auch bei Geiselnahmen von Netzdiskursen hilft nur gutes Verhandeln

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