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Zeit und Geschichte

Achim Engelberg
Dr. phil.
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piqer: Achim Engelberg
Freitag, 08.01.2021

Gestern & Heute: Der Mann, der uns als erster die Mafia erklärt(e)

Sciascia war nicht mondän. Er war ein Mann vom Land, seine Ausbildung war die eines Volksschullehrers. Aber er besaß diese unglaubliche Intelligenz und verwandelte Dorfklatsch in eine Tiefenbohrung,“ so Marco Carapezza, Professor für Sprachphilosophie in Palermo, über den sizilianischen Schriftsteller Leonardo Sciascia, einem unermüdlichen Deuter seiner Insel.

So beginnt Maika Abarth ihr Kalenderblatt zum 100. Geburtstag des großen Schriftstellers Leonardo Sciascia, der aber bereits 1989 starb.

In seiner Würdigung erläutert Peter von Becker, warum der erste Roman DER TAG DER EULE bis heute wirkt:

Gleich auf den ersten 20 Seiten seines Debütromans, der vor jetzt 60 Jahren die Existenz der Mafia auch erstmals ganz explizit zum Thema der italienischen Literatur gemacht hat, entwirft Leonardo Sciascia derart ein Welt-Bild. Sizilien, Italien werden im „Tag der Eule“ zum Modell einer schönen, schrecklichen Tragikomödie: der Macht, des Geldes, der gesellschaftlichen Verstrickung.

Warum Leonardo Sciascia so wichtig für das Verständnis der Mafia und Italiens nicht nur war, sondern ist, das erläutern hier zwei Aktivisten.

Die sizilianischen Intellektuellen also wollten modern sein; und indem sie die Augen verschlossen vor dem, was sich unmittelbar vor diesen abspielte, verpassten sie die Gelegenheit, es auch tatsächlich zu werden.

Sie verpassten, die Avantgarde zu sein, weil sie ins Ausland schauten und nicht sahen, dass vor ihren Augen etwas begann, das heute planetarisch wirkte:

"Der Tag der Eule“ wurde zum einzig verfügbaren literarischen Bezugspunkt der sich Ende der 1970er Jahre in Palermo neu formierenden Anti-Mafia-Bewegung von jungen Intellektuellen. ... Den Wandel der Mafia von der Verwurzelung in der bäuerlichen Welt hin zum Big Business der Konsumgesellschaft analysiert der Roman mit einer Präzision, wie man sie aktuell in Prozessakten zu den Aktivitäten der ’Ndrangheta wiederfinden kann.

Bei seiner historischen Einordnung verschweigt Nando dalla Chiesa nicht die Schattenseiten des großen Autors. Was aber bleibt, das sind für ihn vor allem:

Seine Erkenntnisse über die tödlich-moderne Energie der Organisierten Kriminalität brachte Sciascia schließlich auf die Formel, die mafiöse „Linie der Palme“ werde jedes Jahr 500 Meter weiter nach Norden wandern: eine Entwicklung, die auch durch die Alpen nicht gestoppt werden konnte.

Wie aktuell das ist, zeigt ein Beitrag über die Slowakei, den ich unlängst empfahl.

Freilich, Sciascia war mehr als ein Mafia- und Krimiautor; er war auch ein Geschichtsschreiber von Rang. Thomas Steinfeld stellt in seiner Würdigung vor allem einen Text vor, der Sciascias liebster war und der erst jetzt mit anderen auf Deutsch zu lesen ist.

Sciascia wurde für seine Kriminalromane berühmt, weit über die Grenzen Italiens hinaus, aber er selbst schätzte seine literarischen Arbeiten zur Geschichte Siziliens, auch wenn einige von ihnen von überschaubarem Umfang sind, Parabeln, die in Aufbau und Ton dem Geist einer Chronik verpflichtet sind.

Und wer jetzt immer noch nicht genug hat, findet hier die mit vielen Zitaten gespickte Radio-Besprechung von Maike Albath des großen Italien-Buchs von Thomas Steinfeld.

Gestern & Heute: Der Mann, der uns als erster die Mafia erklärt(e)

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