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Medien und Gesellschaft

Aktuelles ARD-Feature über die Spekulation mit Boden

Susanne Franzmeyer
Piqer für Radio Features
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Susanne FranzmeyerMontag, 09.05.2022

"Das nennt man 'Landgrabbing', und wir wollten die Ursachen und die Folgen ergründen, und wir wollten Wege aufzeigen, wie es anders laufen könnte. Und dann kam der 24. Februar. Russland greift die Ukraine an. (...) Und unsere Sendung bekommt plötzlich eine ganz andere Dringlichkeit."

Die Bodenpreise steigen in Deutschland rasant an. Es wird heftig spekuliert und alle scheinen ein Stück vom Kuchen abbekommen zu wollen. Investments in Agrarböden und -betriebe werden von vielen Seiten getätigt. Finanzdienstleister, Möbelketten oder auch die Sparkassen mischen da kräftig mit – und treiben damit die Bodenpreise immer weiter in die Höhe. Mit jedem Verkauf verschärft sich die Lage. Die Preissteigerungen liegen zwischen 2000 bis 2020 bisweilen bei bis zu 200%.

Politiker beklagen zugleich ein "dramatisches Höfesterben" und ein "Ausbluten der ländlichen Räume."

Im aktuellen ARD-Radiofeature beleuchten Lydia Jakobi und Tobias Barth die Probleme für Landwirtschaftsbetriebe, die diese Bodenspekulationen auslösen. Martin Häusling, hessischer Landwirt und agrarpolitischer Sprecher für die Grünen im Europaparlament, benennt ein Kernproblem, das in der Subventionspolitik begründet liegt und durch das kleinere Betriebe benachteiligt werden:

"Bezahlt wird nach Hektar. (...) Es gab ja den Vorschlag, ab 100.000€ Hektar ist Schluss mit den EU-Förderungen. Auch das ist wieder nicht drin. Der Landwirt wird danach honoriert, wieviel Hektar er bewirtschaftet. Das ist natürlich immer ein Vorteil für Großbetriebe."

Die BVVG (die Boden Verwertungs und Verwaltungs GmbH) – Nachfolgeanstalt der Treuhand – trägt laut vielen Landwirten eine Mitschuld an der Bodenpreisexplosion. Aufgabe der BVVG war lange, damals in der DDR verstaatlichte Bodenflächen zu privatisieren – rund 20% der landwirtschaftlichen Flächen im Osten Deutschlands. Die Anstalt beruft sich auf die allgemeine Marktpreisentwicklung und weist damit jede Kritik von sich.

Das Autor*innenteam spricht mit Landwirt*innen, Politiker*innen und Agrarwissenschaftlern, unter anderem auch dem Agrarforscher Andreas Tietz – einer Koryphäe auf seinem Gebiet. Er veranlasste eine Pilotstudie, in der die zehn größten Agrarbetriebe im Osten unter die Lupe genommen wurden.

"Im Schnitt waren Anfang 2017 bei jedem dritten Betrieb überregional aktive Investoren die Mehrheitseigentümer. Tendenz steigend. Unter den Investoren befanden sich Landwirte aus den alten Bundesländern genauso wie Industrielle aus dem Lebensmittelhandel, der Baubranche oder Schiffahrtsunternehmen."

Mit Stiftungen oder "Family Offices" versuchen reiche Industrielle ihr Vermögen diversifiziert zu verwalten und kaufen dazu auch so genannte "Share Deals" auf: der Investor kauft Anteile der großen Landwirtschaftsbetriebe auf – womit automatisch auch größere Anteile an Grund und Boden an die Unternehmen fallen. Grunderwerbssteuer muss dafür aber nicht gezahlt werden – und das alles ist rechtens.

"Tatsächlich ist eines der größten Probleme: Es gibt keine Transparenz. (...) keiner weiß eigentlich genau, wem so eine Agrargenossenschaft gehört."

Von "Landraub" zu sprechen, ist vielleicht nicht die richtige Formulierung, aber die großflächige Vereinnahmung von Agrarland durch vielfach im Ausland ansässige Investoren kann nicht im Sinne der Bevölkerung im eigenen Land sein.

"Die Ukraine gilt ja als Kornkammer Europas, und man denkt dann, dass das Agrarland der Ukraine der Ukraine gehört. Irrtum. Es gehört den Chinesen. Also zu großen, großen Teilen. Chinesische Staatsfonds haben in den letzten Jahren sehr viel Agrarland aufgekauft, und eben auch in der Ukraine. Und als Eigentümer von Agrarland haben sie auch eine Hand darauf, was darauf angebaut wird und wie diese Produkte dann verkauft werden. Mit der Folge, dass China jetzt sehr viel Grundnahrungsmittel sammelt, um gewisse Abhängigkeiten herzustellen."

Kleinbauern in der Bundesrepublik haben aktuell auf zentrale Entwicklungen im Agrarbereich wenig Einfluss. Sie sind gezwungen, dem Treiben mit einem Gefühl der Ohnmacht zuzusehen. Dabei ist längst auch in der Politik angekommen, dass dringend etwas auf diesem Gebiet geschehen muss. Zumindest die Privatisierung der Ackerflächen wurde inzwischen eingedämmt – allerdings kam die Entscheidung spät.

Vorschläge, wie man es besser machen könnte, gibt es aber auch. In Frankreich ist der Verkauf von Böden beispielsweise staatlich reguliert. Die Franzosen sind stolz auf ihre staatliche Regulierung, die eine gerechtere Bodenverteilung und -nutzung verspricht. Schauen wir, was die Politik in der Bundesrepublik zukünftig weiter unternimmt, um den problematischen Entwicklungen etwas entgegenzuhalten.

Aktuelles ARD-Feature über die Spekulation mit Boden

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Kommentare 2
  1. Maximilian Rosch
    Maximilian Rosch · vor 14 Tagen

    Im ZDF läuft zu diesem wichtigen Dauerbrenner-Thema gerade auch eine Doku: "Das Milliardengeschäft mit dem Boden" https://www.zdf.de/dok...
    2018 hatten wir in einem piqd Salon einen Beitrag dazu, es hat sich erschreckend wenig getan.
    https://www.piqd.de/pi...

  2. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 17 Tagen

    Boden - und speziell Ackerboden - ist eben keine normale Ware! es gibt einfach Bereiche, die nicht dem freien Markt und nicht der Privatwirtschaft überlassen werden dürfen: Boden Nahrung Energie Medizin und Pflege Tierschutz Waffen Justiz und Polizei etc. (Bei letzterem käme zumindest derzeit bei uns keiner auf die Idee, in USA aber stellen privatwirtschaftliche Gefängnisse ein großes Problem dar.)
    und darüberhinaus sollte für jede Warengruppe im eigenen Land bzw. in der EU ein Minimum selbst hergestellt werden, um etwas unabhängiger zu sein und in Notfällen überbrücken zu können, Corona oder der Nil-Stau hat uns das letztens eindrücklich vor Augen geführt.

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