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Wissenswertes über die Belagerung von Daraa al-Balad

Lars Hauch
Researcher. Schwerpunkte: Mittlerer Osten, insbesondere Syrien.
Zum piqer-Profil
Lars HauchSonntag, 15.08.2021

Die Wiege der syrischen Revolution, Daraa, ist aktuell wieder Schauplatz von Ereignissen, die viel über den Konflikt in Syrien erzählen. Über 50,000 Menschen werden in einem Teil der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz von Regierungstruppen belagert. Die Belagerung hätte internationale Aufmerksamkeit verdient. 

Tatsächlich gehören Belagerungen in Syrien seit knapp einer Dekade aber dermaßen zum Tagesgeschäft, dass im Westen kein Hahn mehr danach kräht. Vor allem angesichts „dringlicherer“ Themen, wie dem Durchmarsch der Taliban in Afghanistan. Daraas Geschichte weist da sogar eine Parallele auf: Bis zum Sommer 2018 war die Region im Süden Syriens eine sogenannte Deeskalationszone unter Schutz der USA. Der Krieg wurde in dieser Region Südsyriens praktisch eingefroren. Die Sache mit Deeskalationszonen ist bloß: irgendwer muss sie durchsetzen, wenn es hart auf hart kommt. Als die Assad-Regierung und Russland im Sommer 2018 das Deeskalationsabkommen brachen, taten die USA das nicht. Im Gegenteil. Sie ließen die Rebellen per WhatsApp-Nachrichten wissen, dass sie auf sich allein gestellt seien.

Daraufhin ergab sich die Region mehr oder weniger. Für das benachbarte Israel und Jordanien war wichtig, dass Daraa kein Unruheherd werden würde. Israel hatte keine Lust auf iranische Milizen vor der Haustür, Jordanien hatte keine Lust auf weitere Geflüchtete. Also schusterte Russland eine provisorische Lösung zusammen: Viele der ganz besonders unbeliebten Rebellen wurden in Busse gesetzt und nach Idlib gekarrt. Mit anderen verhandelte Russland über lokale relative Autonomie. Will heißen, über Daraa weht wieder die Regierungsflagge, tatsächlich hat die Assad-Regierung aber nur sehr begrenzten Einfluss. In einigen Zonen praktisch gar keinen.

Daraa wurde eine Art Flickenteppich von Einflusszonen. Ihre schweren Waffen mussten die Rebellen abgeben, leichte Waffen haben sie hingegen meist behalten können. All das klingt nicht unbedingt nach einem Rezept für Stabilität. War es auch nicht.

Nun wurden in Daraa wieder schwere Waffen abgefeuert. Daraa al-Balad, ein Teil der Hauptstadt, wurde von Artillerie der Regierungstruppen ins Visier genommen. Die berüchtigte, dem Iran nahestehende Vierte Division, geführt von Maher al-Assad, dem Bruder des Präsidenten, hat den Stadtteil abgeriegelt.

Wie es dazu kam, könnt ihr im gepiq’ten Text nachlesen. Der Autor beschäftigt sich mit dem Mikrokosmos Daraa so intensiv wie wohl kaum ein anderer. Und falls ihr gerade keine Lust habt, in Details einzutauchen: Daraa al-Balad ist der Assad-Regierung ein Dorn im Auge. Die inszenierten Präsidentschaftswahlen im Mai diesen Jahres boykottierten die Menschen komplett. In Damaskus ist man über solche Befehlsverweigerung vor allem deshalb erbost, weil der Sinn und Zweck der sowieso unfreien Wahlen ist, Macht zu demonstrieren.

Im Juni dann wurden die Rebellen in Daraa al-Balad aufgefordert, Waffen abzugeben und Regime-Checkpoints in ihren Vierteln zu akzeptieren. Taten sie aber nicht. Also riegelte die Assad-Regierung den Stadteil ab.

In der Folgezeit eskalierte die Situation. Regierungstruppen feuerten mit schweren Waffen in Wohngebiete, Rebellen schossen mit leichten Waffen zurück. Auch in anderen Teilen der Provinz solidarisierten sich Rebellen und überfielen Regime-Checkpoints.

Russland versucht, ein neues Abkommen zu erwirken, das die Lage vorerst beruhigt. Gar nicht so einfach, denn abgesehen davon, dass die Rahmenbedingungen eine echte und langfristige Befriedung schlicht nicht zulassen, fehlen Russland auch für den Moment die Werkzeuge. Den etablierten Verhandlungskomitees mangelt es an Legitimität und auf allen Seiten gibt es Akteure, denen an Eskalation gelegen ist.

Wahrscheinlich wird Russland demnächst dennoch einen Deal erwirken. Bis zur nächsten größeren Eskalation.

15 Jahre alt waren zwei der Teenager, die im Jahr 2011 regimekritische Slogans an eine Schulmauer in Daraa sprayten. Ihr Verhaftung (und vor allem die Umstände der Haft) empörte Menschen im ganzen Land und resultierte in Massendemonstrationen.

Heute, 10 Jahre später, greifen junge Männer zu den Waffen, die damals noch deutlich jünger waren. Es ist eine neue Generation, die im Krieg erwachsen geworden ist, die all die Narrative ihres Umfelds verinnerlicht hat, die ein transgenerationales Erbe mit sich trägt. Ähnlich sieht es auf der Seite der Regierungstruppen aus, wo nun junge Männer ihren Wehrdienst leisten müssen, die gerade mal acht Jahre alt waren, als die Revolution ihren Anfang nahm. 

Wissenswertes über die Belagerung von Daraa al-Balad

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