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Wie der Krieg in der Ukraine den Hunger der Welt verschlimmert

Alexandra Endres
Journalistin
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Alexandra EndresMittwoch, 13.04.2022

Schon seit Wochen wird vor einer neuen globalen Hungerkrise gewarnt. Die Sorge ist, dass der Krieg in der Ukraine die Lebensmittelknappheit vor allem in den ärmeren Ländern der Welt verschärft (hier ein piq von Jürgen Klute vom 6. März zum Thema).

Mittlerweile mehren sich die Hinweise darauf, dass es tatsächlich so kommt. Anlass genug, um hier ein paar lesenswerte Stücke zusammenzutragen, die verschiedene Aspekte der Krise beleuchten.

Laut Welternährungsorganisation FAO (ein Tweet, kein Text) sind Lebensmittel weltweit derzeit so teuer wie seit Jahren nicht; ein Drittel teurer als im vergangenen Frühjahr. Besonders stark gestiegen sind die Preise für Pflanzenöle und Getreide.

In Ägypten hat die Regierung den Brotpreis gedeckelt, im Libanon und Tunesien wird das Mehl knapp, in Irak, Sudan und der Türkei gab es Proteste (tagesschau.de).

Immerhin: Reis, das wichtigste Grundnahrungsmittel neben Weizen, ist in diesem Jahr bislang kaum teurer geworden. Das sorgt zumindest für eine gewisse Entspannung der Nahrungsmittel-Lage in Asien.

Gute Weizen-Ernten in Argentinien und Australien machen (zudem) Hoffnung, dass kurzfristig die wegfallenden Mengen aus Russland und der Ukraine ersetzt werden könnten.

In Teilen Somalias, Äthiopiens und Kenias sind laut UN-Welternährungsprogramm mehr als 13 Millionen Menschen von akutem Hunger bedroht (ZDF). Das Internationale Rote Kreuz warnt vor "alarmierendem" Hunger in weiten Teilen Afrikas. Mehr als ein Viertel der Menschen auf dem Kontinent – insgesamt rund 346 Millionen – seien betroffen (Spiegel Online).

Gründe für die Hungersnot sind bewaffnete Konflikte und eine lang anhaltende Dürre. Doch der Krieg in der Ukraine verschärft die Lage noch zusätzlich:

Der Krieg habe bereits zu steigenden Lebensmittel- und Treibstoffpreisen und Unterbrechungen der Lieferkette beigetragen und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie verstärkt, erklärte das IKRK.

»Wir weiten unsere Einsätze aus, um so vielen Menschen wie möglich zu helfen, aber die Zahl der Menschen, die ohne Nahrung und Wasser auskommen müssen, ist erschütternd«, sagte Stillhart. Das IKRK braucht für seine humanitäre Hilfe in Afrika in diesem Jahr eine Milliarde Euro, bisher fehlen der Organisation aber noch 800 Millionen Euro.

In der ZEIT (Abo) erinnert Christiane Grefe im Gespräch mit Michael Fakhri, dem UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung, daran, dass die Zahl der weltweit Hungernden nicht erst durch den Krieg wieder zunimmt, sondern schon seit Jahren. Über die Lage in der Ukraine sagt Fakhri:

Die russischen Angriffe müssen unbedingt gestoppt werden, wenn es nicht weltweit zu tiefen und langfristigen Folgen für die Ernährungssicherheit kommen soll. Schon jetzt hungern Menschen in der Ukraine und ich mache mir Sorgen, dass auch Russen unter der Invasion leiden könnten. (...) In einigen Staaten, die wegen Armut, Dürren oder Konflikten ohnehin besonders verletzlich sind, steigt mit den Lebensmittelpreisen das Hungerrisiko. In hohem Maße betrifft das Ägypten, Iran, Bangladesch, aber auch Libyen oder Pakistan.

Bei den Riffreportern berichtet Ruona Meyer aus Nigeria (Text nur mit Abo zugänglich), wie Bäcker:innen ihre Brote mit Luft aufblähen, um den höheren Mehlpreis wenigstens teilweise auszugleichen. Pflanzenöl wird gehortet. Und weil auch die internationalen Logistikketten nicht mehr reibungslos funktionieren, geraten nigerianische Lebensmittelhersteller:innen, die für ausländische Märkte produzieren, ebenfalls in Schwierigkeiten. Dünger ist auch teurer geworden – die heimische Produktion von Düngemitteln wird deshalb ausgebaut.

Die Unternehmerin Salami geht davon aus, dass erst die Zeit zeigen werde, wie sich der Krieg auf die Lebensmittelversorgung in Afrika auswirken wird. Dennoch sei es wichtig, jetzt schon zu handeln: “Unsere neuen Düngemittelfirmen können die durch diesen Krieg entstandenen Lücken schließen. (...)"

Europa kann sich selbst mit ausreichend Getreide versorgen, berichtet tagesschau.de. Dennoch hat die EU-Kommission gerade beschlossen, Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung freizugeben, die bislang als ökologische Vorrangflächen nur eingeschränkt oder gar nicht bewirtschaftet werden durften.

Warum das der falsche Weg sein könnte, beschreibt wieder Christiane Grefe in der ZEIT (zugänglich ohne Abo, aber nur mit User-Account):

Doch die Forderung, so viel Fläche wie möglich zu bewirtschaften, unterschlägt die Dramatik, die der Verlust an Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen bedeutet. Ohne sie werden die Grundlagen für gesunde Böden, Gewässer und andere Ökosysteme untergraben. Und das bedeutet zum Beispiel das Ende für viele Insekten und Bienen, ohne die Landwirtschaft gar nicht möglich ist.

In Deutschland hält Landwirtschaftsminister Cem Özdemir derweil am Ziel fest, 30 Prozent der Ackerflächen dem Biolandbau zu widmen.

Was also tun? Weniger Fleisch essen vielleicht. Denn gerade in der EU (und anderswo) werden besonders viele Ackerflächen genutzt, um Viehfutter anzubauen (s. diese Karte) Würde das Land direkt für Nahrungsmittel genutzt, könnten viel mehr Menschen satt werden. Das belegt beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2013. Die Autor:innen schreiben:

We find that, given the current mix of crop uses, growing food exclusively for direct human consumption could, in principle, increase available food calories by as much as 70%, which could feed an additional 4 billion people.

Warum aber ist ausgerechnet die Ukraine so wichtig für die Versorgung der Welt mit Getreide und Pflanzenöl? Die Frage haben Nelly Keusch, Anja Lemcke, Florian Seliger, Roland Shaw schon vor einigen Tagen in der NZZ beantwortet (dieser piq). Sie schlagen einen besonders weiten Bogen und bereiten ihre Recherche sehr anschaulich grafisch auf. Deshalb empfehle ich diesen Text ganz besonders.

Wie der Krieg in der Ukraine den Hunger der Welt verschlimmert

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Kommentare 1
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 4 Monaten

    Allein das macht aus diesem "Konflikt" einen, der der UN-Charta gemäß längst hätte durch UN angegangen werden müsste. und da dass durch die Blockademöglichkeit von Veto-Mächten im Sicherheitsrat verunmöglicht wird: ist eine richtige Debatte und Aktion weltweit nötig die UM zu reformieren! Bei aller aktuellen Konzentration auf den Krieg in der Ukraine: wo bleibt das?

    ebenso die längst nötige Diskussion endlich die Massentierhaltung bzw. die Überproduktion von 'Fleisch' als Bedrohung für den Frieden aufder Welt und als Grund für millionenfachen Hunger anzugehen?

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