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Warum unsere Erschöpfung politisch relevant ist

Theresa Bäuerlein
Journalistin. Autorin. Seit (gefühlt) schon immer.
Zum piqer-Profil
Theresa BäuerleinSamstag, 27.11.2021

Noch hat der Corona-Winter nicht mal richtig angefangen und schon fühlen sich viele erschöpft. Das hat nicht nur mit der aktuellen Situation zu tun, so schlimm sie ist. Sondern damit, dass das Gefühl, dass sich von allen Seiten die Bedrohungen auftürmen, für viele immer stärker wird. Weil es noch nie so einfach war, sich auf der Suche nach Informationen immer tiefer in die Verzweiflung hineinzusurfen. Wie der (amerikanische) Autor dieses Newsletters schreibt:

Covid und unsere Reaktionen darauf sind anstrengend.

Die Bedrohungen für unsere Demokratie sind erschöpfend.

Der ehemalige Präsident und seine Verbündeten sind anstrengend.

Die Klimakrise ist anstrengend.

Ungerechtigkeit ist anstrengend.

Systemischer Rassismus ist anstrengend.

Einkommensungleichheit ist anstrengend.

Die Tatsache, dass diese Liste immer weiter fortgesetzt werden könnte (und weiter und weiter), ist anstrengend.

Natürlich war das Leben schon immer anstrengend und eigentlich ist es für moderne Menschen in vieler Hinsicht weniger erschöpfend als früher. Genauer: Weniger körperlich erschöpfend. Wir hingegen erleben eine kollektive mentale Erschöpfung. Und das ist politisch relevant. 

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Kräfte, die unsere Gesellschaft untergraben wollen, die uns zu ihrem zynischen Vorteil gegeneinander ausspielen wollen, Erschöpfung als eine mächtige Waffe betrachten, über die sie verfügen. Je erschöpfter die Menschen sind, die sich um die Lösung schwieriger Herausforderungen bemühen, desto unsicherer wird der Erfolg dieser Bemühungen. 

Und jetzt der Hoffnungsschimmer: Der Autor weist darauf hin, dass er im Laufe seiner Karriere über viele erfolgreiche  Protestbewegungen berichtet hat. Er habe festgestellt, dass ein wichtiger Faktor bei diesen Aktionen war, dass Mitglieder der Gruppe eingesprungen sind, um zu helfen, wenn andere erschöpft waren. 

Daher sein Aufruf: 

Es ist also nicht nur in Ordnung, erschöpft zu sein, es ist auch in Ordnung, ja sogar notwendig, eine Pause einzulegen. Entfernen Sie sich von Ihrem Bildschirm oder Ihrer Zeitung und gehen Sie spazieren. Reden Sie mit Freunden und Familie über andere Themen als Politik oder aktuelle Ereignisse. Lesen Sie zum Spaß, oder schauen Sie sich etwas Kurzweiliges im Fernsehen an. Nichts davon wird die Probleme der Welt lösen. Natürlich gibt es einen Ort für Aktionen und Engagement. Aber Resilienz ist eine Perspektive, die sowohl Ruhe als auch Entschlossenheit erfordert.
Wir müssen anerkennen, dass nicht jeder vor Erschöpfung einen Schritt zurücktreten kann. Die Möglichkeit, eine Pause einzulegen, ist eine eigene Form des Privilegs. Es gibt Menschen, deren Lebensumstände keine Ruhepause zulassen. Aber es gibt auch einen Grund, warum so viele Weltreligionen Tage der Ruhe und Besinnung in den Kalender eingebaut haben. Der menschliche Körper und Geist kann nicht immer arbeiten, sonst funktioniert er nicht mehr gut.
Ich sage das alles nicht, um die Herausforderungen, vor denen wir stehen, zu schmälern, ganz im Gegenteil. Die Welt braucht anhaltende Anstrengungen und Bemühungen. Aber Anstrengung und Bemühung erfordern Energie. Und um Energie zu haben, ist es wichtig, dass wir unsere Erschöpfung anerkennen, sie beachten und ihr vergeben."


Warum unsere Erschöpfung politisch relevant ist

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Kommentare 4
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 2 Monaten

    Zeit wieder die WochenstundenZahl zu reduzieren. UND Frei(er)Zeit sinnvolle Rahmenbedingungen zu geben, etwa durch das 4er-Prinzip von Haug. Ehrenamt politisches Engagement Weiterbildung Familien- und Care-Arbeit anerkennen und zwar auch strukturell und systemisch.

    1. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · vor 2 Monaten

      Hi Cornelia, hast du einen Link, der das 4-er Prinzip von Haug gut erklärt? Würde mich interessieren!

    2. Cornelia Gliem
    3. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · vor 2 Monaten

      @Cornelia Gliem Vielen Dank!

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