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Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Dienstag, 24.10.2017

Verwirrende Zahlenspiele um Neonazis in Tarnfleck

200 Rechtsextreme in der Bundeswehr! Diese Zahl drängte sich am Montag in die Nachrichten. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt rasch, dass diese Aussage so nicht stimmt. Seit 2008, also binnen fast zehn Jahren, sollen 200 Rechte in den Streitkräften aufgefallen sein. Was bedeutet das – und wie kamen die verwirrenden Zahlenangaben zu den Rechtsextremisten in der Truppe zustande? Der taz-Reporter Martin Kaul hat eine nüchterne und lesenswerte Einordnung geschrieben.

"Seit 2008 hat der Militärische Abschirmdienst in rund 200 Fällen die jeweilige Person nach Abschluss der Ermittlungen als Rechtsextremist bewertet“, teilte das Bundesverteidigungsministerium auf eine schriftliche Frage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Irene Mihalic mit. Die Zahl wurde bald leicht verdreht in den Medien wiedergegeben. Von 20 Rechtsradikalen im Jahr schrieben Journalisten, doch dieser Durchschnitt verwirrt nur. Denn interessant ist vor allem: wie hat sich die Lage in der Truppe verändert?

Führt ein Erstarken der AfD und steigende Gewaltbereitschaft gegen vermeintliche Fremde in mancher Region auch in der Bundeswehr zu steigenden Fallzahlen bei rechtsextremistischen Vergehen? Schließlich ist die Armee ein Spiegel der Gesellschaft – auch wenn mit dem Ende der Wehrpflicht das gezeigte Bild vielleicht stark verzerrt ist. 

Dennoch: Nach Informationen der taz fielen in den vergangenen Jahren weniger Rechtsextremisten in der Armee auf als im Zeitraum davor. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) hat von 2008 bis 2011 jeweils rund 40 Rechtsextremisten ausgemacht, sagte ein Sprecher des Geheimdienstes der taz. Nach dem Ende der Wehrpflicht sanken die Zahlen dann drastisch. Danach habe der MAD, also zwischen 2012 und 2017, nur noch rund vier Rechtsextremisten pro Jahr in der Bundeswehr identifiziert. Darunter war auch Franco A., der sich als Flüchtling ausgegeben und einen Anschlag geplant haben soll. Diese Zahlen dürften weiter sinken: Erst seit Juli überprüft die Truppe jeden Bewerber gründlich.

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