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Lars Hauch
Freier Journalist mit Schwerpunkt Nahost-Politik und Islamismus
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piqer: Lars Hauch
Donnerstag, 23.08.2018

Syriens Nordwesten könnte eine türkische Provinz werden

Wenn wir ehrlich sind, gibt es langfristig nur zwei Optionen für den Nordwesten: Die Rückkehr der syrischen Regierung, oder eine türkische Annexion.

So resümiert der Analyst Aymenn Jawad Al-Tamimi in einer aktuellen Bestandsaufnahme über den Konflikt in Syriens Nordwesten. 

Eine Annexion ist völkerrechtlich gesehen so ziemlich das größte denkbare Tabu. Doch einiges deutet darauf hin, dass die Türkei ihren Einfluss in den Provinzen Aleppo und Idlib in Stein meißeln will.

In dem unten verlinkten Artikel beschreibt Dr. Hay Eytan Cohen Yanarocak, warum er sich sicher ist, dass die Türkei dabei ist, eine Türkische Republik Nordsyrien zu erschaffen. Ganz in Anlehnung an die Türkische Republik Nordzypern, die seit der türkischen Machtübernahme 1974 unter Kontrolle der Regierung in Ankara steht. 

  • Erstens arbeite die türkische Propaganda daran, Gebiete im Nordwesten als historisch zur Türkei gehörend zu porträtieren. Zum Beispiel, indem sie historische Dokumente veröffentlicht, nach denen sich Afrin in osmanischen Zeiten in Besitz turkmenischer Stämme befand (Hier habe ich einen Text über die Rolle der Turkmenen im Syrienkrieg geschrieben).
  • Zweitens versuche die Türkei, arabische Geflüchtete in mehrheitlich von Kurden besiedelten Gebieten anzusiedeln, um deren Ansprüche zu verwässern.
  • Drittens arbeite die Türkei eifrig an der wirtschaftlichen und sozialen Integration von Gebieten im Nordwesten. Man baue Autobahnen, türkische Postfilialen, eröffne Krankenhäuser und eine Universität.

Yanarocak hat recht: Die Türkei fasst in Nordsyrien Fuß. Die von ihr kontrollierte Administration in den syrischen Gebieten hat gar neue Ausweise ausgegeben, die sowohl in Arabisch als auch Türkisch gedruckt werden.

Wetten würde ich allerdings noch nicht darauf, dass die Türkei Syriens Nordwesten endgültig zu einem Satellitenstaat oder einer neuen Provinz formen will. Die türkische Expansion nach Syrien verfolgte vor allem das Ziel, einen Keil zwischen die Gebiete der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) zu schlagen. In Afrin und den sogenannten Euphrat-Schild-Gebieten ist ihr das gelungen, dort ist der türkische Einfluss besonders stark.

In Idlib, dem westlichen Teil der türkischen Einflusssphäre, geht es der Regierung in Ankara besonders darum, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, die Hunderttausende Menschen an ihre Grenze drängen würden. Solange diese Gefahr besteht, wird die Türkei wahrscheinlich einen Vorstoß der Assad-Regierung verhindern.

Wenn es aber zu einem Ausgleich zwischen der Assad-Regierung, Russland und der Türkei kommt, könnte das türkische Interesse an Syriens Nordwesten, vor allem an Idlib, schnell verblassen. Denn viele der ansässigen Extremisten sind mit der türkischen Präsenz nicht glücklich, und die Türkei dürfte wenig Interesse an einem langwierigen Konflikt mit ihnen haben.

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