Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Seite Eins

Frederik Fischer
Sub-, Pop- und Netzkulturkorrespondent
Zum piqer-Profil
piqer: Frederik Fischer
Donnerstag, 09.11.2017

Paradise Papers: Steueroasen sind nicht alternativlos. Wie man Steuerflucht bekämpfen kann.

Gabriel Zucman ist nicht nur Wirtschaftswissenschaftler, er ist auch Aktivist. Sein Doktorvater war Thomas Piketty, sein Forschungsschwerpunkt ist die globale Ungleichverteilung von Vermögen (Buch: The Hidden Wealth of Nations). Man darf Zucman also durchaus eine Agenda unterstellen und sollte seine Analyse daher mit gebotener Skepsis lesen. Hauptsache man liest sie. 

Die Paradise Papers liefern Zucman neue Belege, die seine alte These bestätigen: Die globale Ungleichverteilung nimmt weiter massiv zu und konzentriert vor allem auf einen kleinen Kreis Ultra-Reicher.

About 50 percent of the wealth held in tax havens belongs to households with more than $50 million in net wealth. It’s a group that private bankers dub “ultra-high-net-worth individuals” and that they woo assiduously. These ultra-rich represent about 0.01 percent of the population of advanced economies.

Als Ausweg schlägt er in seinem Essay in der SZ vor, Vermögen wie Grundbesitz zu behandeln. Daten über den Grundbesitz sind in nahezu jedem Land einsehbar (Vorsicht: s. Kommentar). Eine ähnliche Transparenz müsste für sonstiges Geld- und Anlagevermögen gelten. Ich bin nicht Ökonom genug, um diesen Vorschlag bewerten zu können. Was sich mir aber erschließt, ist der Wert von Daten über Vermögensbewegungen. Länder, die diese Daten nicht teilen, müsste die Staatengemeinschaft mit Sanktionen belegen. Insbesondere für Länder wie Deutschland und die USA sollte der Kampf gegen Steuerflucht dabei von größtem Interesse sein.

Who loses from these shenanigans? By and large, the U.S. and the big EU countries, where most of the multinationals’ workers and consumers are located. Tax havens deprive the EU of the equivalent of one-fifth of the corporate tax revenue it currently collects, representing a cost of 60 billion euros per year. For Germany alone, the bill adds up to 17 billion euros.

Aber wenn man dann nach Amerika blickt, wo sich Finanz-Lobbyisten gerade eine Steuerreform auf den Leib schneidern (s. Tweet)...

Paradise Papers: Steueroasen sind nicht alternativlos. Wie man Steuerflucht bekämpfen kann.
7,5
2 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied für unter 4€ pro Monat!

Kommentare 2
  1. Christian Odendahl
    Christian Odendahl · vor 5 Monaten

    Zucman scheint leider nicht zu wissen, vielleicht weil es so absurd ist, dass in Deutschland selbst ein Immobilienregister fehlt. Grundbuchämter sind lokal, der Datenschutz streng. D.h. die Abfrage, z.B. zur Strafverfolgung, sehr aufwändig. Die Italiener bringt das offenbar regelmäßig auf die Palme, dass die Mafia in Deutschland ungestört Geld anlegen kann.

    "Jede Stadt oder Kommune hat ihr eigenes Grundbuch, in dem die Eigentümerin einer Immobilie - eine Person oder eine Firma - verzeichnet ist. Hineinschauen darf aber nur, wer ein berechtigtes Interesse hat. Auch die Beamten des FIU können die im Grundbuch hinterlegten Daten nicht zentral abfragen. Großbritannien macht es anders. Dort gibt es ein zentrales Immobilienregister, das öffentlich ist. Das Land hat einen entscheidenden Vorteil im Kampf gegen Geldwäscher. "Die Tatsache, dass es kein zentrales Immobilienregister in Deutschland gibt, macht Ermittlungen in diesem Bereich sehr aufwendig", sagt der FIU-Ermittler. Suchen die Beamten nach Immobilien eines Kriminellen, müssen sie die Behörden vor Ort abklappern." (aus der SZ von 2016) www.sueddeutsche.de/wirtschaf...

    1. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor 5 Monaten

      Das ist ja bizarr. Vielen Dank für diese wichtige Erklärung.

      Am Kern der Argumentation ändert der Fakt nichts, aber eine andere These wird dadurch gestützt: Dass nämlich Deutschland in Sachen Transparenz völlig zu Unrecht ein Saubermann-Image pflegt. Im Podcast der SZ zu den Paradise Papers erklärt das Recherche-Team sehr detailliert was Deutschland alles tut, bzw. unterlässt, um weiterhin als sicherer Hafen für das Geld ausländischer Investoren zu gelten.
      soundcloud.com/user-9584...