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Leak im Iran: Außenminister Zarif erklärt, kaum Macht zu haben

Lars Hauch
Researcher. Schwerpunkte: Mittlerer Osten, insbesondere Syrien.
Zum piqer-Profil
Lars HauchSamstag, 01.05.2021

Am Sonntag veröffentlichte der in London ansässige Fernsehsender „Iran International“ knapp drei Stunden Audiomitschnitt eines Gesprächs, das es in sich hat: Irans Außenminister, Javad Zarif, gibt dort offen zu, dass seine Regierung wenig zu melden habe. Stattdessen würden die iranischen Revolutionsgarden die Strippen ziehen und eigenmächtig die Politik des Landes bestimmen.

Der Mitschnitt stammt aus einem Gespräch des Außenministers mit dem regierungsnahen Center for Strategic Studies (CSS). Die nicht-heiklen Teile sollten wohl zusammengeschnitten werden und als Basis für künftige Geschichtsschreibung dienen. Der Chef des CSS ist bereits zurückgetreten. Insgesamt 15 am Interview Beteiligten wurde die Ausreise verboten. Hardliner, unter ihnen prominente Influencer, wie die Tochter des 2020 getöteten Qassem Suleimani, wettern gegen Zarif und fordern Konsequenzen.

Newlines zitiert den Tweet eines Politikwissenschaftlers der Universität Teheran:

Apart from some details, what did Dr Zarif say that we already didn’t know? Didn’t we know the Russians don’t want Iran to have better relations with the US? Didn’t we know the IRGC runs the foreign policy? Didn’t we know anti-Americanism unites the Russians and the Iranian hardliners?

Stimmt, all das sind offene Geheimnisse. Sie aus dem Mund von Irans Außenminister zu hören, hat allerdings eine besondere Qualität.

Wer steckt hinter dem Leak?

Die Regierung unter Hassan Rouhani behauptet, die Verantwortlichen wollten Zarifs Ruf schaden. In der Tat erweckt Zarif nicht gerade den Eindruck einer starken Führungspersönlichkeit, wenn er zugibt, kaum Kontrolle zu haben. Und das auch noch ausgerechnet kurz vor dem Beginn von Verhandlungen über eine Rückkehr der USA in das Atomabkommen.

Andere Stimmen behaupten, Zarif selbst könnte hinter dem Leak stecken. Immerhin inszeniert er sich als integrer Diplomat, der Iran gegen innere und äußere Feinde verteidige. Damit könnte er Rückenwind als Präsidentschaftskandidat bekommen.

Kasra Aarabi beschreibt im gepiqden Artikel ein Szenario, das etwa lautet: Revolutionsführer Chamenei bereitet das Exil seines Außenministers vor.

Der 82-jährige Chamenei stelle die Weichen für die Zeit nach seinem Tod. Dabei setze er auf die Dominanz der Revolutionsgarden im Inneren. Schließlich seien sie es, die in der Lage sind, Proteste gegen die Führung niederzuschlagen. Zarif sei dennoch wichtig: Der charismatische Diplomat verstehe es perfekt, Irans harten Kurs international mit einem Lächeln zu verkaufen. Das könne er umso effektiver aus dem Exil tun. Wenn die Revolutionsgarden hinter ihm her seien, könne er auf offene Arme im Westen hoffen.

Ähnlich habe Irans Führung es in der Vergangenheit mehrfach gehandhabt. 2009 hießen die USA beispielsweise den ehemaligen hochrangigen iranischen Diplomaten Hossein Mousavian willkommen. Mousavian erklärte zuvor, die Revolutionsgarden hätten ihn der Spionage bezichtigt. Daraufhin habe er eine Stelle in Princeton bekommen und sei eine einflussreiche Stimme in Washington geworden. Kritisch sei diese Stimme jedoch nicht gewesen. Ganz im Gegenteil. Zarif selbst sagte 2016, dass Mousavian Irans Interessen in den USA und Europa "wundervoll verteidige". 

Zarif könnte einen ähnlichen Weg einschlagen. All das bleibt natürlich Spekulation. Und wer weiß, vielleicht wird Zarif unerwarteterweise als Präsidentschaftskandidat zugelassen und mobilisiert die politikverdrossene iranische Gesellschaft. 78 % der IranerInnen wollen laut einer Umfrage die Wahlen im Juni boykottieren.

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