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Frederik Fischer
Sub-, Pop- und Netzkulturkorrespondent
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piqer: Frederik Fischer
Samstag, 01.06.2019

Ein anderes Wachstum ist möglich

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hat vor wenigen Tagen das erste Staatsbudget vorgestellt, das den kollektiven Wohlstand in den Mittelpunkt rückt. Damit distanziert sie sich von dem viel kritisierten Bruttonationalprodukt als oberster Zielgröße und befeuert die Diskussion um eine Post-Wachstumsökonomie. 

Wobei: Das Wort Postwachstum ist in meinen Augen ein ziemlich gefährlicher Quatsch-Ausdruck, der selbst Menschen verschreckt, die für die Ideen dahinter eigentlich empfänglich wären. Nicht das Wachstum an sich ist das Problem. Die Frage ist vielmehr: Nach welchem Wachstum wollen wir uns orientieren? Mehr Zeit? Mehr Mobilität? Mehr Bildung? 

Statt den Verzicht zu predigen, könnte sich eine neue Wirtschaft schlicht an neuen Kennzahlen orientieren und so den Weg zur Nachhaltigkeit finden. Damit einher ginge fast zwingend eine stärkere Rolle des Staates. 

Right now, our work, play, and general quality of life is dictated through the terms of consumption. Working less, making less money, and reducing material use likely will negatively impact most people's quality of life unless society comes in to meet those needs.
Practically, this would require an increase in free public services; people won’t have to make as much money if they don’t have to spend on healthcare, housing, education, and transportation.

Der Text gibt einen guten Überblick über die Postwachstums-Szene, lässt aber auch Kritiker zu Wort kommen. Der zweifelnde Tenor ist im Hinblick auf die USA nachvollziehbar. In Deutschland, bzw. Europa sehe ich nach der letzten Wahl und den Fridays-4-Future-Demonstrationen gar nicht mal so schlechte Chancen auf eine mittelfristige Abkehr vom BIP als der einzig seligmachenden Richtgröße.

Ein anderes Wachstum ist möglich
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Kommentare 4
  1. Dominique Lenné
    Dominique Lenné · Erstellt vor 4 Monaten · Bearbeitet vor 4 Monaten

    Artikel ist sehr US-zentriert, aber natürlich ist die Problematik für alle industrialisierten Staaten anwendbar. Das Argument, dass 10% weniger BNP einen Aufstand auslösen können, während dabei nur 10% weniger Treibhausgase emittiert werden, ist stichhaltig.
    Trotzdem werden wir auf Dauer nicht um eine entsprechende Verminderung des Produktausstoßes herumkommen. Das muss aber nicht eine Verminderung des BNP bedeuten, weil dieses die Produktion von Waren und Dienstleistungen nicht direkt aufsummiert - wie soll man Stahl, Gartenbau und Kinderpflege aufsummieren? - sondern unter Verwendung des Preissystems. Wenn sich in den Preisen die Wertschätzung für langlebige und nachhaltige Produkte wiederspiegelt, kann es wirtschaftliches Wachstum bei gleichzeitiger Verminderung des Ressourcenverbrauchs geben.

    1. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · Erstellt vor 4 Monaten ·

      Solche Zahlenspiele und Argumente haben absolut ihre Berechtigung, ich glaube aber nicht, dass das der Kern der Debatte ist. Eine Absinken des BIP mag Auslöser von Unruhen/Aufständen sein, das BIP ist aber sicher nicht der Grund dafür. Die Narrative, die uns dankenswerterweise über Jahrzehnte gute Dienste erwiesen haben, sind für viele Menschen inzwischen einfach auserzählt und unzeitgemäß. Ein anschlussfähiger neuer Narrativ, wird auch Wachstumseinbußen von mehr als 10% verkraften. Der Mangel an gesellschaftlicher Bindung und gemeinsamen Zielen ist viel empfindlicher und gefährlicher als der Mangel an materiellem Wohlstand.

    2. Dominique Lenné
      Dominique Lenné · Erstellt vor 4 Monaten ·

      @Frederik Fischer Ich bin kein Ökonom ( was manche auch als positiv ansehen werden ) aber nach meinem Gefühl ist das BIP mehr als ein bloßes Narrativ. In der Vergangenheit wurde sein Schrumpfen immer von hoher Arbeitslosigkeit begleitet und damit vom Ausschluss großer Bevölkerungsteile vom ökonomischen Netz. Dieses wird in den reicheren Ländern in seiner Brisanz etwas abgefedert durch Sozialsysteme. Es leiden nicht alle gleich, sondern das Leiden konzentriert sich auf bestimmte Gruppen, wie etwas junge Menschen. Es ist hier notwendig, den Kapitalismus dergestalt anzupassen, dass er mit Schrumpfung dieser Zahl BIP umgehen kann, ohne ein Viertel der Arbeitenden rauszuschmeißen. Das ist nicht trivial.
      Dem was du über gesellschaftliche Bindung schreibst, kann ich nur zustimmen. Aber eine Divergenz der Einstellungen ist unvermeidlich und in der Demokratie auch willkommen.

    3. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · Erstellt vor 4 Monaten ·

      @Dominique Lenné Die Verbindung zwischen BIP und dem Arbeitsmarkt ist real und konstruiert gleichzeitig. Es geht hier letztendlich um die große Frage, was wir als "Arbeit" anerkennen. Eine häufig geäußerte und gerechtfertigte Kritik am BIP ist z.B. das unbezahlte Pflegearbeit nicht berücksichtigt wird. D.h. würden wir diese Unterscheidung Lohnarbeit vs. unbezahlter Arbeit nicht oder anders treffen, wäre die Verbindung zwischen BIP und der Arbeitslosigkeit sicher nicht so eindeutig. Das BIP ist eine Kennzahl, die zu einem bestimmten Narrativ des Wirtschaftens gut passt. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob und ggf. neue Narrative hier einen besseren Dienst leisten. Ich beobachte nur, dass diese alten Narrative nicht mehr ausreichend verfangen.

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