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Paulina Fröhlich
Projektmanagerin bei Das Progressive Zentrum, Ehrenamtlich bei Kleiner Fünf
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piqer: Paulina Fröhlich
Freitag, 26.10.2018

Die Spaltung einer Familie: wie das Gespräch über politische Gräben geführt werden kann.

Dieser Erfahrungsbericht eines 24-Jährigen steht exemplarisch für zahllose Geschichten, die ich mir während der vergangenen 2 Jahre angehört habe. Die plötzliche Erkenntnis: der Vater wählt die AfD. Eine Partei, deren Programmatik gegen all das steht, was man liebt und woran man glaubt. Die Initiative Kleiner Fünf ist genau für jene da, welche die politische Spaltung ihrer Familie und Freund*innenkreise erleben. 

"Am Anfang war noch alles harmlos" schreibt der anonyme Autor und berichtet, wie sein Vater für den Erhalt Tegels argumentierte. Es folgten E-Mails mit verlinkten Artikeln, welche die AfD als legitimes Mittel beschrieben, um die etablierte Parteienlandschaft wieder "in die Mitte zu rücken". 

Mit einem Mal überkam mich ein Verdacht: Hatte mein Vater etwa AfD gewählt? Mein Vater? Ehemaliges SPD-Mitglied und selbsterklärter Sozialist? Mein Kindheitshelden-Papa? Das passte nicht zusammen.

Die Meinungsverschiedenheiten lösten eine Familienkrise aus. WhatsApp-Streits und Aussprache-Treffen halfen nicht, so setzte die no-politics Strategie ein: ein Auslassen von politischen Themen.

Mein Vater sagte gebildet klingende Sätze, die in ihrer Bedeutung aber Stammtischparolen in nichts nachstehen: Europa drohe eine Islamisierung, die Aufnahme von über einer Millionen überwiegend junger, muslimischer Männer stelle eine Gefahr für die deutsche Bevölkerung dar.

Der Autor begann die Lebensgeschichte seines Vaters nachzuvollziehen, um Erklärungen für dessen Haltung zu finden: Ausreise aus der DDR, Hartz-IV Abhängigkeit, Enttäuschungen über die SPD. Er und seine Generation machen Work&Travel, Erasmus-Semester und gehen zu #unteilbar, während "die zahlenmäßig überlegenen Babyboomer in ihren Häusern mit den leeren Kinderzimmern sitzen und hoffen, dass endlich alles wieder wird wie früher." Er würde den Kontakt abbrechen, wäre es nicht sein eigener Vater. Einige alte Freund*innen des Vaters haben das getan, zurückbleiben, wie er sagt, unpolitische und Gleichgesinnte. 

Die beschriebene Erfahrung machen viele Menschen. Darüber gesprochen wird verhältnismäßig wenig. Kleiner Fünf, die ehrenamtliche gemeinnützige Initiative, erstellt Gesprächsleitfäden und gibt Workshops zum persönlichen Umgang mit rechtspopulistischer Geisteshaltung. Das "Spiel der radikalen Höflichkeit" bietet einen ersten einfachen Zugang zu der Strategie. 

Die Spaltung einer Familie: wie das Gespräch über politische Gräben geführt werden kann.
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