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"Die anderen Frauen Afghanistans"

Lars Hauch
Researcher. Schwerpunkte: Mittlerer Osten, insbesondere Syrien.
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Lars HauchDonnerstag, 23.09.2021

Dieser Text erzählt die Kriege in Afghanistan ausführlich aus der Perspektive von Frauen. Im Mittelpunkt steht Shakira, Anfang 40, die mit ihrer Familie im Sangin Tal wohnt. Das Tal liegt in in der Provinz Helmand, einer Taliban-Hochburg. Das war natürlich nicht immer so. Als die Taliban in den 90ern kamen und Shakiras Dorf mit Strom versorgen wollten, lehnten die Dorfältesten ab. Elektrizität hielten sie für böse Magie. Die Frauen wussten natürlich, dass das Quatsch ist, erzählt Shakira dem Autor, und lacht. 

Shakira und die anderen Frauen haben wirklich, wirklich viel erlebt. Ihre Schilderungen machen den Wahnsinn des NATO-Einsatzes greifbar. Und auch die Zeit der sowjetischen Besetzung erlebten sie. 1979 versuchen die Kommunisten, eine Schulpflicht für Mädchen in Shakiras Tal durchzusetzen. Das widersprach allen lokalen Regeln und Normen, die traditionell konservativer waren, als konservative Auslegungen des Islam. Die Männer in den Dörfern („Mujahideen“) wehren sich gegen die Eindringlinge, die ihnen neue Lebensformen aufzwingen wollen. Sie töten Lehrer, die Kommunisten verschleppen lokale Stammesführer, und der Gewaltkreislauf ist in Gang gesetzt.

Als Shakira fünf Jahre alt ist, verstecken sie sich nachts vor den Sowjets in einer Höhle. Bei ihrer Rückkehr finden sie ihr Dorf verwüstet vor. Tote Menschen, erschossenes Vieh, zerstörte Felder. 1989 ziehen die Sowjets ab, doch der Bürgerkrieg geht weiter. Einer der Warlords, der in Shakiras Dorf wütete, hieß Amir Dado. Dados Männer kommen eines Tages und verhaften Shakiras Onkel, der eine junge Frau geheiratet hat, die vor einer arrangierten Ehe geflohen war. Beide werden zum Tode verurteilt.

Shakiras Familie denkt darüber nach, aus dem Tal zu fliehen, aber unterschiedliche Milizen kontrollieren alle Ausgänge. Dados Männer sind im Norden, im Süden herrscht eine Miliz namens „93. Division“. Dann, eines Tages, Shakira ist gerade 16 Jahre alt, tauchen die Taliban auf. Sie übernehmen die Kontrolle in dem Gebiet und lösen Dados Gericht auf. Daraufhin kommen Shakiras Onkel und seine Frau, die auf ihre Hinrichtung warteten, frei.

Ob sie die Taliban Herrschaft mochten? Sie sei besser gewesen, als das was vorher war, antworten die Frauen. Weniger willkürlich und tödlich.

Shakira heiratet, ihr Mann ist im Opiumgeschäft. Im Jahr 2000 wird die Gegend von einer Dürre heimgesucht und die Taliban verbieten den Opiumhandel. In dieser misslichen Situation hört Shakira von 9/11. Gerüchte machen sich breit, dass die reichen Amerikaner nun kommen würden. Sie hat Hoffnung.

Zwei Jahre später stehen amerikanische Soldaten vor ihrer Tür, mit ihnen bewaffnete Afghanen. Sie erkennt den Mann, der die Befehle gibt: Es ist Amir Dado, der Warlord, der in ihrem Dorf wütete. Die Amerikaner haben ihn zum Geheimdienstchef der Provinz gemacht. Dado stellt wieder eine Miliz auf und terrorisiert die Gegend. Auch die 93. Division, die Miliz eines anderen Warlords, ist ein Partner der USA geworden. Sie verdienen viel Geld mit der Jagd auf (angebliche) Taliban, bezahlt von den USA. Um ihre Umsätze zu steigern, verhaften sie willkürlich Menschen.

2004 versucht eine UN Initiative, die 93. Division zu entwaffnen. Offiziell wird sie aufgelöst, inoffiziell macht sie weiter: ein Teil der Division arbeitet von nun an als „privater“ Sicherheitsdienstleister für die USA, andere werden von US-Firmen engagiert, um Straßen zu „beschützen“. Und einige, für die kein Stück vom Kuchen übrig bleibt, schließen sich den Taliban an.

2006 kommen die Taliban dann zurück. Shakira ist dermaßen verzweifelt, dass sie ihre Rückkehr begrüßt. Sie ist mittlerweile 27 Jahre alt und hat zwei Kinder. Die ständigen Kämpfe zermürben sie. Eines Nachts, als wieder ausländische Truppen ihr Dorf durchforsten, sieht sie aus ihrem Haus ein Militärfahrzeug. Die Insassen sind ausgeschwärmt. Spontan nimmt Shakira einen Benzinkanister und zündet das Fahrzeug an. Sie will, dass die Ausländer endlich verschwinden, damit Ruhe einkehrt. Ein Nachbar macht mit.

Jahrelang geht es so weiter. 10-15 Tote hat jede Familie im Dorf zu beklagen, getötet von Luftangriffen und willkürlichem Feuer. Die Taliban bekommen dadurch immer mehr Zulauf.

Die Geschichte reicht bis in die Gegenwart, als die Taliban die Macht wieder übernehmen. Und die Frauen diskutieren mit dem Autor über Frauenrechte. Was sie zu sagen haben, lohnt sich zu lesen. Genau wie der gesamte (ziemlich lange) Text.

"Die anderen Frauen Afghanistans"

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