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Der Westen zieht ab, die Taliban rücken vor

Hauke Friederichs
Journalist und Autor
Zum piqer-Profil
Hauke FriederichsSonntag, 04.07.2021

Die westlichen Truppen ziehen aus Afghanistan ab. Der letzte Soldat der Bundeswehr hat bereits Masar-i-Scharif verlassen, den zuvor wichtigsten Stützpunkt der Deutschen in Nordafghanistan. Die Armeeführungen machen ein großes Geheimnis aus ihren Rückzugsterminen. Aber einige Hundert amerikanische Soldaten sind noch im Land. Sie sollen in Kabul stationiert werden. Ihr wichtigster Auftrag: die US-Diplomaten in der Hauptstadt zu beschützen.

Die USA versuchten alles zu verhindern, was wieder ein Bild schaffen könnte, wie in Vietnam; als der letzte Helikopter die Botschaft verließ und Einheimische versuchten, sich an die Kufen zu hängen, um mitgenommen zu werden. So Silke Diettrich, ARD-Korrespondentin in Neu-Delhi, die seit Jahren aus und über Afghanistan berichtet.

Profiteure des Abzugs sind die Taliban. Längst haben sie mehr als 150 Bezirke eingenommen. Seitdem die NATO-Staaten und ihre Verbündeten angekündigt haben, ab dem 1. Mai das Land zu verlassen, verdoppelten die Aufständischen die Zahl der Gebiete, die sie kontrollieren. 

"Ich kucke jeden Morgen in mein Handy und dann heißt es wieder, zehn Bezirke haben die Taliban eingenommen", berichtet Diettrich. "Da weiß ich nicht, wie viel die Versprechungen noch gelten." Damit meint die Journalistin die Beteuerungen aus dem Westen, von den Regierungen in Washington und Berlin etwa, das Land nicht allein zu lassen.

Entwicklungshelfer und Diplomaten wollen in Afghanistan bleiben. Aber werden sie ihre Arbeit fortsetzen können, wenn die Taliban weite Teile des Landes beherrschen? Diettrich kam bereits der Gedanke, dass sie das letzte Mal für lange Zeit in Afghanistan recherchieren konnte. In Masar-i-Sharif sind bereits sämtliche Konsulate geschlossen worden. Denn die Taliban haben die Stadt bereits umzingelt.

Der Westen zieht ab, die Taliban rücken vor

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Kommentare 6
  1. Maximilian Rosch
    Maximilian Rosch · vor 28 Tagen

    Sehr wichtige Berichterstattung. Ich habe dazu einen weiteren hörenswerten Beitrag der KorrespondentInnen Silke Diettrich und Peter Hornung gefunden, der wenige Tage zuvor veröffentlicht wurde: https://www.ndr.de/nac...

  2. Norbert Simon
    Norbert Simon · vor 28 Tagen

    Mich wundert, dass Leute sich darüber wundern, was kybernetischen Gesetzen folgt: Ein sich ergebendes Vakuum wird sofort vom Umgebungsdruck geschlossen.
    Wer ernsthaft erwartet hat, dass die Taliban bleiben, wo sie mühsam die letzten zwei Jahrzehnte hingedrängt wurden, oder gar glaubt, sie würden bisherige Errungenschaften (Mädchen in Schulen, freie Berichterstattung, Entwicklungshelfer, …) in ihrem „Gottesstaat“ koexistieren lassen, hat zu viel von einem afghanischen Export-Schlager konsumiert.

    1. Maximilian Rosch
      Maximilian Rosch · vor 28 Tagen

      Ich habe wenig Verwunderung, dafür umso mehr Ratlosigkeit wahrgenommen. Eine andauernde Militärpräsenz ist offensichtlich keine Lösung, durch den Abzug der Taliban "das Feld zu überlassen" ebenso wenig. Ein Dilemma, das im Beitrag auch angerissen wird. Vor wenigen Tagen gab es zu den Folgen für afghanische Frauen eine lesenswerte Empfehlung von Silke Jäger: https://www.piqd.de/fe...

    2. Norbert Simon
      Norbert Simon · vor 26 Tagen

      @Maximilian Rosch Verwunderung - Ratlosigkeit – für die Bevölkerung läuft es letztendlich auf das Gleiche hinaus: Sie werden allein gelassen und sollen selbst schauen, wie sie klarkommen. Doch es wurde „ohne Plan“ hinein gegangen und ebenso „ohne Plan“ (jeweils „für die Menschen vor Ort“) der Rückzug angetreten. Sich selbst überlassen würden jetzt zumindest keine Hoffnungen zerstört, die durch das Eingreifen geschürt wurden.

    3. Hauke Friederichs
      Hauke Friederichs · vor 27 Tagen

      Es gibt wenige gute Beispiele für eine gelungene Militärintervention, die dauerhaften Frieden geschaffen hat. Die von "westlichen" Staaten geführten Missionen in Afghanistan, Irak und Libyen zeigen eindeutig, dass "Nation Building" von außen nicht funktioniert, wenn zu stark auf den Kampf gegen Terroristen gesetzt wird und zu wenig auf den Aufbau.

    4. Norbert Simon
      Norbert Simon · vor 26 Tagen

      @Hauke Friederichs Ging es denn jemals darum, dass „Frieden geschaffen“ werden sollte?
      Die Amerikaner sind rein, weil sie jemanden greifen wollten, der ihnen ans Bein getreten hat – da ging es m.E. nie darum, das Land zu befrieden oder der Bevölkerung zu helfen.
      Die Bundeswehr hat das versucht, doch wie wir hier vor Ort erleben, gibt es auch noch nach dreißig Jahren „Wessis“ und „Ossis“. Denkmuster auflösen ist – unabhängig ob militärisch oder zivil – eine Aufgabe über mehrere Generationen.

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