Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Seite Eins

Hauke Friederichs
Journalist
Zum piqer-Profil
piqer: Hauke Friederichs
Mittwoch, 16.05.2018

Der Sieg des Schlafmohns – warum die USA in Afghanistan gescheitert sind

Sie blüht violett oder rot, diese Blume ist wunderschön, doch sie birgt einen Stoff, der eine ganze Region destabilisiert. Der Schlafmohn blüht wieder in Afghanistan und damit die Opiumproduktion, der Rohstoff des Heroins. Wer nach der Antwort sucht, warum die Amerikaner und ihre Verbündeten in Afghanistan gescheitert sind, kommt an "Papaver somniferum" nicht vorbei. 

"Washingtons waffenstarrende Kriegswalze wurde durch eine unscheinbare Blume zum Stehen gebracht – den Schlafmohn", schreibt Alfred W. McCoy in den "Blätter für deutsche und internationale Politik". Und weiter: "In den fast vier Jahrzehnten, in denen Washington in Afghanistan Krieg führte, waren seine Operationen stets nur dann erfolgreich, wenn sie sich halbwegs in die Muster des illegalen Opiumhandels in Zentralasien einfügten. Verliefen sie nicht komplementär dazu, nahmen sie Schaden."

Sicherlich lassen sich nicht alle Probleme Afghanistans mit der Drogenproduktion erklären. Aber McCoy gelingt es, ein stimmiges und tristes Gesamtbild zu zeichnen. Schließlich dauert der amerikanische Einsatz am Hindukusch mittlerweile länger als jeder andere Krieg in der US-Geschichte. Und nun stehen die USA in Afghanistan kurz vor der Niederlage.

"Wie konnte die einzige Supermacht dieser Erde mehr als 16 Jahre lang ununterbrochen kämpfen (...) und es trotzdem nicht schaffen, eines der mittlerweile ärmsten Länder der Welt zu befrieden?", fragt McCoy.

2.300 Militärs sind seit dem Beginn des Kampfes gegen den Terror, der im Oktober 2001 begann, in Afghanistan gestorben. Mehr als 100.000 Soldaten wurden dort eingesetzt, ein Billiarde Dollar kostete die Mission bislang. Dennoch ist das Land weder stabil, noch sicher.

Und hier kommt der Schlafmohn ins Spiel. Seit Jahrzehnten schaut der US-Geheimdienst CIA beim Opium-Problem weg. Schon als die Mudschaheddin als Verbündete der Amerikaner gegen die Sowjets kämpften, blühte der Mohn. Warlords und Taliban griffen das Geschäft auf. Ein Ende des Mohnanbaus ist nicht in Sicht.

Der Sieg des Schlafmohns – warum die USA in Afghanistan gescheitert sind
8,6
5 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!