Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Reportagen und Interviews

Christian Gesellmann
Autor und Reporter
Zum piqer-Profil
piqer: Christian Gesellmann
Donnerstag, 03.11.2016

Zepp will sein Gewissen zurück

Madeleine Blais’ Reportage „Zepp’s Last Stand” gewann 1980 einen Pulitzer Preis und ist heute noch lesenswert, weil sie nicht nur einen literarischen Eigenwert besitzt, sondern sich mit zeitlosen Themen beschäftigt, dem Altern und dem Gewissen. Beides Züge, in denen wir ohne Fahrkarte sitzen und die, wenn sie sich begegnen, den Wert des Lebens bestimmen.

In einem Zug beginnt die Reportage auch. Ed Zepp, ein 83-jähriger Veteran des Ersten Weltkrieges, ist auf dem Weg ins Pentagon. Er wurde 1917 eingezogen und in Frankreich eingesetzt, obwohl er aus Gewissensgründen den Dienst an der Waffe verweigern wollte. Das trug ihm in seiner Entlassungsurkunde ein „unehrenhaft” ein.

Mehr als 60 Jahre später sitzt der Witwer und Christ Zepp deshalb im Zug Richtung Pentagon. Er will das richtig gestellt haben, bevor er vor's Jüngste Gericht tritt: Er hat sich immer ehrenhaft verhalten. Neben der Geschichte eines Mannes, dessen Handeln von seinem Gewissen diktiert wird, geht es in der Reportage auch darum, wie das hohe Alter einen Menschen isolieren kann.

Ich mag es, wie ehrlich Blais Zepp beschreibt, dass sie seinen Kampf gegen Windmühlen nicht ausschmückt mit der übertriebenen Empfindlichkeit, die Autoren oft zeigen, wenn sie über alte Menschen schreiben. Wenn Zepp störrisch ist und sich wiederholt wie ein kaputter Wecker, beschreibt sie das genau so, wie sie dem Leser klar macht, an welchen Stellen er ihre Sympathie genießt.

Zepp will sein Gewissen zurück
7,5
2 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!