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Reportagen und Interviews

Alexander Krützfeldt
Straßenpiqer

Alexander Krützfeldt ist freier Journalist und Buchautor. Mehr ist er nicht.

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piqer: Alexander Krützfeldt
Freitag, 26.02.2016

Wenn die Wahrheit der Dramaturgie weichen muss

Fakes haben den New Journalism fast völlig zerstört. 

Tom Kummers erdachte Interviews, Leute, die es mit der Wahrheit nicht so genau nahmen. Und das bleibt nun mal der Job eines Journalisten, ob er literarisch schreibt oder nicht: Wahrheiten berichten. Sonst muss er halt Schriftsteller werden.

Die großen Chancen dieser literarischen Gattung sind ja: Nähe erzeugen, Authentizität herstellen und Dinge beschreiben, die, selbst wenn sie nicht immer faktisch belegbar sind, doch näher dran sein könne an der Wahrheit als Zahlen. So jedenfalls der Idealfall. Aber die Wahrheit zu biegen, das bleibt der ewige Vorwurf. Schnell steht die Frage im Raum: Was davon ist eigentlich wirklich so passiert? 

Wird die Wahrheit verbogen und das noch aus rein ökonomischen Interessen, ist das nicht nur bitter für den, der es getan hat. Es bringt auch alle anderen in Verruf. Jürgen Todenhöfer war beim IS – und hat ein Buch darüber geschrieben. Das wurde zum Bestseller. In sämtlichen Talkshows sagte er, der die Wahrheit ja nun gefunden hatte, wie viel überall zensiert würde und wie präzise und erschüttert sein Werk sei – eine "gnadenlose Abrechnung mit dem IS".

Schade nur, wenn sich das Erlebte mitunter nicht mit dem deckt, was sein mitreisender Protokollant erlebt haben will. Sehr lesenswert. 

Wenn die Wahrheit der Dramaturgie weichen muss
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Kommentare 2
  1. Ralph Diermann
    Ralph Diermann · vor mehr als einem Jahr

    Liegt in dem Raum zwischen Journalismus und Literatur nicht auch ein großer Reiz? Das berühmte Fake-Interview von Tom Kummer mit Charles Bronson über Gartenbau zum Beispiel - darauf muss man erst mal kommen. Man darf das halt nur nicht mit Journalismus verwechseln (und da liegt das Problem, schon klar).

    1. Alexander Krützfeldt
      Alexander Krützfeldt · vor mehr als einem Jahr

      Klar, da liegt der Reiz. Und wenn es nicht so krass ist wie bei Kummer, darf man es durchaus Journalismus nennen. Das Problem ist eher: Für den Leser ist es, wenn der Autor zu wenige Hinweise gibt, verdammt schwer, den Unterschied zu erkennen. Ich denke, das müssen solche Texte aber leisten.