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Reportagen und Interviews

Elisabeth Dietz
Redakteurin, Community Manager
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piqer: Elisabeth Dietz
Sonntag, 31.07.2016

Trumps Erfolg bei den ärmsten Weißen – ein Gespräch unter Konservativen

Politiker, die im Fernsehduell ihre Penisgröße diskutieren, Bürger, die einander auf Wahlkampfveranstaltungen zusammenschlagen und Ballons, Massen von Ballons. Wir folgen der US-Präsidentschaftswahl wie einem absurden Theaterstück mit potenziell fatalem Ausgang. Dessen absurdester Protagonist, Donald Trump, steht kurz davor, diese Wahl zu gewinnen – trotz offensichtlicher Lügen, trotz völkerrechtswidriger Forderungen. 

Die meisten von Trumps Unterstützern sind weiß, haben keinen Universitätsabschluss und kommen aus den wirtschaftlich schwächsten Gebieten der USA. J. D. Vance – geboren in Middletown, Ohio, Ex-Marine, Jurist und Yale-Absolvent – erklärt in seinem Buch Hillbilly Elegy, warum gerade die armen Weißen scheinbar so bereitwillig gegen ihre eigenen Interessen wählen.

„Wir sind die einzige Gruppe von Menschen, auf die man herabsehen kann, ohne sich dafür schämen zu müssen“, erklärte Vance' Großmutter. Arme weiße Amerikaner fühlen sich machtlos und abgehängt in einer Gesellschaft, in der Erfolg alles bedeutet. Trump arbeitet mit ihrem Misstrauen gegenüber der politischen Klasse, ihrem Neid, ihrem Stolz, ihren Ängsten. „Sein apokalyptischer Tonfall entspricht dem, was sie jeden Tag erleben“: Arbeitslosigkeit, Armut, Gewalt, Heroinsucht.

Das Interview führt Rod Dreher, ein Trump-kritischer Republikaner und konservativer Christ. Europäer schütteln gern den Kopf über die extremen Ansichten der amerikanischen Rechten. Ihr Jargon und ihr Denken sind uns fremd. Dieses Gespräch zwischen zwei eloquenten, besonnenen Konservativen kann uns helfen, sie besser zu verstehen.

Über das Informationsnetzwerk Plag habe ich diesen Artikel an zufällige Empfänger in der ganzen Welt geschickt. Die Geschichten, die andere Bewohner des Rust Belts in den Kommentaren erzählen, ergänzen das Interview hervorragend.

Trumps Erfolg bei den ärmsten Weißen – ein Gespräch unter Konservativen
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Kommentare 3
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor mehr als einem Jahr

    Hast du schon mal eine nachvollziehbare Erklärung dafür gelesen, warum die Abgehängten ausgerechnet jetzt wieder wählen gehen überall? Grundsätzlich funktioniert Demokratie ja nur, wenn auch die "Opfer" politischer Entscheidungen, ihren Unmut artikulieren, in Stimmenform. Das ist aber jahrzehntelang kaum passiert - obwohl das gesellschaftliche Ungleichgewicht auch in den 90ern schon nicht sonderlich subtil voranschritt.

    1. Elisabeth Dietz
      Elisabeth Dietz · vor mehr als einem Jahr

      Ich habe keine guten Quellen zu dieser Frage. Ich würde aber mutmaßen, dass die Wahlbeteiligung steigt, weil beide Kandidaten sehr polarisieren. Hillary Clinton wird wird von vielen Amerikanern mit einer für uns schwer nachvollziehbaren Intensität gehasst. Und Trump sieht für viele aus wie eine Apokalypse, die es zu verhindern gilt. Kurz: Die müssen wählen. Es ist ein Notfall.

    2. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor mehr als einem Jahr

      @Elisabeth Dietz Ich meinte nicht nur Amerika. Das Phänomen betrifft in Europa momentan fast jedes Land.