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Mittwoch, 07.09.2016

Techno, Jesus, Folterkeller: Das irre Leben des Dschihadisten von Bümpliz

Qaasim Illi hieß mal Patric und war ein Jesus Freak. Dann veranstaltete er Techno-Partys. Und marschierte mit den Rechten auf Demonstrationen. Doch 2009 musste ihn die Schweizer Botschaft im Libanon aus dem Gefängnis holen. Illi ist jetzt Dschihadist und will die Schweiz in ein Kalifat verwandeln …

So weit, so skurril. Aber was macht diese 100-000-Zeichen-Reportage lesenswert? Nun, es sind die 100 000 Zeichen. Die unverschämte Länge. Dabei ist es nicht mal so, dass man diesen Text nicht hätte kürzen können. Es ist auch nicht so, dass Protagonist Illi allzu viel hergibt. Nur wird der Kern dieser Geschichte eben erst durch die sinnlose Länge deutlich.

Man könnte sagen: Die Schweiz ganz generell bläst Qaasim Illi ziemlich auf. In jedem anderen Land – insbesondere einem, in dem es tatsächlich Probleme mit Islamismus gibt – wäre Illi eine kaum beachtete Randfigur. Aber die Schweiz, ihre Presse und Politik reden sich eben seit Jahren ein, es gäbe auch in der Schweiz ein Problem mit Islamismus (islamistisch motivierte Anschläge seit der Gründung der Eidgenossenschaft 1291: 0). Und Qaasim Illi mit seinem dubiosen Verein, seinen seltsamen Statements und seinem Vergnügen an Schlagzeilen, ist die ideale Projektionsfläche für diese Angstsehnsucht.

Also nein, das ist keine Reportage über Qaasim Illi, sondern eine über die Schweiz. Und man verrät nicht zu viel, wenn man – Spoiler Alert – das Ende jetzt schon verrät: «Vielleicht aber war die Wahrheit auch weit weniger spektakulär. Als ich mit seinem ehemaligen Professor Reinhard Schulze über all die Widersprüche geredet und ihn gefragt hatte, wo Illi eigentlich stehe, hatte Schulze die Hände verworfen und gesagt, wenn Qaasim Illi doch selbst bloss wüsste, wo er eigentlich stehe.»

Techno, Jesus, Folterkeller: Das irre Leben des Dschihadisten von Bümpliz
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