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Reportagen und Interviews

Alexandra Endres
Journalistin und Volkswirtin
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piqer: Alexandra Endres
Mittwoch, 28.03.2018

"Sie sagen, hier kann man leben": Warum so viele Menschen aus Zentralamerika nach Mexiko fliehen

Es herrscht kein Krieg in El Salvador, Honduras und Guatemala. Zumindest nicht so, wie Krieg herrscht in Syrien oder im Jemen: Es fallen keine Bomben, und keine Panzer rollen über die Straßen.

Trotzdem ist in den drei Ländern Zentralamerikas niemand seines Lebens sicher. Die Gangs kontrollieren die Region, sie handeln mit Drogen, erpressen Schutzgeld, entführen Geschäftsleute und zwingen die Söhne der Nachbarn, für sie zu arbeiten. Die Töchter sind Freiwild für sie. Wenn Eltern versuchen, ihre Kinder zu schützen; wenn irgendjemand sich wehrt, den Bossen widerspricht oder sonst einen Fehler begeht, dann wird er umgebracht – oder muss um sein Leben rennen.

Weil die Polizei oft verstrickt ist in die organisierte Kriminalität, hilft den Bedrohten niemand. Weil die ganzen Länder von – miteinander rivalisierenden – Gangs beherrscht werden, bleibt für viele die Flucht ins Ausland die einzige Chance. Viele landen in Mexiko und bleiben dort auch. Der Journalist Óscar Martínez hat ihre Geschichten gesammelt.

Es gibt kaum einen besseren Autor für das Thema: Martínez berichtet schon seit Jahren über die Gewalt in der Region und über die Gefahren, die Migranten auf sich nehmen, um zu überleben. Jetzt hat er gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen für das Online-Magazin El Faro und den Fernsehsender Univision ein beeindruckendes Multimedia-Spezial auf die Beine gestellt. In vier Kapiteln zeichnen sie die Fluchtrouten der Menschen aus El Salvador nach (ein "mit Tod übersätes Land") über Costa Rica ("Die südliche Route") und Belize ("Belize hat Angst") bis nach Mexiko. Martínez schreibt:

This year, an estimated 20,000 people will request asylum in Mexico – almost all migrants from the north of Central America. It’s a request to live. This is a by-product of the daily violence in El Salvador, Honduras and Guatemala. Perhaps the surest way to understand what it means to be from one of the most violent regions in the world is to listen to the refugees arriving in Mexico.

Dann lässt Martínez die Leute erzählen. Zum Beispiel die 13-jährige Heidin:

“I've seen several murders,” Heidin says, “because my house is on the corner, and there, from the window you can see a lot.”

When she speaks, Heidin opens her eyes and moves them, but the rest of her body is still, as if sensing something ominous.

Heidin, who is not allowed to enter the cinema to see a scary movie without the supervision of an adult, and yet, she saw her mother robbed and stabbed in the stomach. She herself was able to escape a kidnapping because her heart-wrenching cries alerted a patrol that was roaming Rivera Hernandez. Her kidnappers are angry at her because they think of her as a snitch for not allowing herself to be kidnapped quietly. Heidin’s life in this district of San Pedro Sula is not fit for any man or woman – let alone a 13-year-old girl.

Früher begriffen sich die Menschen, die aus Zentralamerika in Richtung USA aufbrachen, als normale Migranten, schreibt Martínez. Jetzt, angesichts der zunehmenden Gewalt, sind es Flüchtlinge. So heißt auch das Multimedia-Paket: From migrants to refugees: the new plight of Central Americans. Veröffentlicht wurde es schon im Herbst 2017; jetzt hat es bei den jährlichen Preisen des Overseas Press Club of America eine ehrenvolle Erwähnung erhalten – hochverdient, und ein guter Anlass, die Stücke zu empfehlen.

Am Ende des Mexiko-Kapitels zitiert Martínez einen jungen, zitternden Mann in einer Notunterkunft in Tenosique: "Sie sagen, hier kann man leben."

"Sie sagen, hier kann man leben": Warum so viele Menschen aus Zentralamerika nach Mexiko fliehen
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