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Reportagen und Interviews

Rechtsextremismus und Rassismus beim Rettungsdienst

Mohamed Amjahid
Buchautor und Journalist

Reporter, Kurator, Autor für deutsche und internationale Medien. Studium der Politikwissenschaft/Anthropologie. Themen: Weiße Mehrheitsgesellschaft, MENA, Autokratien, Kapitalismuskritik, Feminismus und kritische Theorie.

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Mohamed AmjahidFreitag, 16.09.2022

Stell dir vor, du rufst in einer akuten Notsituation den Rettungsdienst und kurze Zeit später taucht ein rechtsextremer Reichsbürger auf, um angeblich Hilfe zu leisten. Diese Recherche der taz strotzt nur so vor gruseligen Geschichten rund um deutsche Rettungsdienste, zum Beispiel aus Köln: 

Da war der Anti-Islam-Aufkleber auf der Toilette. Der Kollege, der auf der Außenwache gerne die Junge Freiheit las. Die Flyer der „Identitären Bewegung“, die dort auslagen; zwei Mitarbeitende, die aus ihrer Nähe zur rechtsextremen Organisation vor dem Kollegium keinen Hehl machten. Einer der beiden hat schon vor Jahren ein Spiel geprägt, zum Zeitvertreib während der Fahrt. Sie nannten es das „Möp-Spiel“: Immer wenn man eine schwarze Person auf der Straße sieht, muss man „möp“ sagen. Gedanklich wurde dann eine Strichliste geführt. 

Ein weiterer Fall aus Köln: 

Eine Frau mit Kopftuch krümmt sich auf der Straße plötzlich unter heftigen Unterleibschmerzen, liegt in Embryohaltung auf dem Boden, Passanten wählen die 112. Aber die Rettungsdienstler nehmen das nicht richtig ernst. Nach dem Einsatz hätten sie Witze gemacht, „über das Kopftuch abgefuckt“ und gemeint, nur wegen der Regelblutung „macht die so ne Show“, dabei sei noch gar nicht klar gewesen, was sie hatte.

Der sehr detailreiche und gut recherchierte Text zeigt AfD-Connections in Rettungsstellen auf, identifiziert bekennende Reichsbürger und Coronaleugner, die dort arbeiten. Auf einem Wandkalender einer Wache wurden glorifizierend die Geburtstage von Nationalsozialsten eingetragen. Dort herrsche eine „Mauer des Schweigens“ und ein „Klima der Angst“ gegenüber den rechtsradikalen Kollegen. Am Ende werden jene, die Aufklärung und Konsequenzen fordern, aktiv unter Druck gesetzt. An anderer Stelle taucht ein rechtsextremer Chat auf – mittlerweile ein Klassiker bei solchen Skandalen.

Regelmäßig machen Rassismusvorwürfe Schlagzeilen, sie betreffen verschiedene staatliche Institutionen wie die Polizei, die Feuerwehr, öffentliche Verwaltungen, Nahverkehrsbetriebe oder städtische Wohnungsunternehmen. Der Rettungsdienst, der meist gerufen wird, wenn die Not am größten ist, stellt viele von Rassismus betroffene Menschen mit dieser Recherche endgültig vor existenzielle Fragen in Deutschland. Es stellt sich die Frage, die sich bei medizinischen Notfällen nicht stellen darf: Werden schwarze, muslimische, eingewanderte Menschen schlechter behandelt als weiße Deutsche?

Rechtsextremismus und Rassismus beim Rettungsdienst

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Kommentare 1
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 8 Tagen

    Das ist auf jeden Fall ein großer Vertrauensverlust. und das in Zeiten in denen die Rettungskräfte sowieso es schwer haben und immer häufiger angegriffen werden.
    Natürlich gibt es in jedem Bereich leider rechtsextremismus; aber in so sensiblen Bereichen muss sofort und klar durchgegriffen werden.
    Vertuschung Verleugnung und gar die Entlassung der "Whistleblower" geht gar nicht!
    Und letztendlich kommt es ja doch raus und dann ist der Schaden noch viel viel größer

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