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Reportagen und Interviews

charly kowalczyk
journalist
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piqer: charly kowalczyk
Dienstag, 11.06.2019

Nie mehr Fußball schauen!

Vier Jahre habe er gebraucht, um von seiner Droge endgültig runterzukommen, erklärt Christian Bartlau im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Seit der WM 2018 in Russland ist nun Schluss. Er schaue sich kein Fußballspiel mehr an, egal ob Männer oder Frauen gegeneinander spielen. Der Sportjournalist trifft einen Nerv. Einerseits bei Frauen. Zum Beispiel bei einer Bekannten, die mir kürzlich erklärte, dass Ihr Mann gewöhnlich an sieben Abenden in der Woche Fußball guckt. Sie jedenfalls wäre sehr für einen Fußball-Boykott, auch um ihre Beziehung zu retten. Andererseits auch bei Fußballfans, denen die Kommerzialisierung zu weit geht. Anlass des Interviews ist Bartlaus neues Buch „Ballverlust – Gegen den marktkonformen Fußball“. Er kritisiert die Vergabe der WM in den Wüstenstaat Katar. Dafür wird auch in Kauf genommen, dass dort nicht im Sommer gespielt werden kann, weil es zu heiß ist. Also findet die WM 2022 im Winter statt. Außerdem plant die FIFA die Ausweitung der WM auf 48 Mannschaften. Die Gier kennt keine Grenzen. Auch die UEFA, der europäische Fußballverband, will die Champions League weiter ausweiten. Sogar mit Spielen an Wochenenden. Anstoßzeiten werden nur noch nach kommerziellen Gesichtspunkten bestimmt. Üblich ist ja schon, dass der Stadionname und die Trikot-Brust an Sponsoren verhökert werden. Jetzt will sogar mein Herzensverein Werder Bremen den Stadionnamen für 30 Millionen verkaufen. Werder-Fans haben dagegen demonstriert, aber es wird kaum zu verhindern sein. Statt Weserstadion soll es künftig „Wohninvest Weserstadion“ heißen. Wann wird aus der „Alten Försterei“, dem Stadion des Bundesliga Aufsteigers Union Berlin, das „Bahlsen-Keks-Stadion“? Ist die Kommerzialisierung des Fußballs überhaupt noch aufzuhalten? Hält man es als Fußballfan überhaupt aus, ohne Fußballgucken zu leben? Das DLF-Interview mit dem Sportjournalisten regt an, darüber nachzudenken.

Nie mehr Fußball schauen!
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Kommentare 5
  1. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · Erstellt vor 15 Tagen ·

    Fussball ist eigentlich ein schönes Exempel dafür, wie man mit zu viel Kohle alles kaputt kriegt. Der Kommerzwahn zieht ja auch die immer weiter steigende Masse des Produkts nach sind und die dramaturgische Verwässerung. Ich schaue noch manchmal, aber fast schon mit schlechtem Gewissen und fast immer emotional unbeteiligt.
    Die gelegentlichen Highlights fixen einen halt immer wieder an...

    1. charly kowalczyk
      charly kowalczyk · Erstellt vor 14 Tagen ·

      Hallo Marcus,

      ich finde es interessant, dass Du schlechtes Gewissen beim Fußballschauen hast. Das hab ich nicht, aber ich bemerke, dass ich mir Jahr für Jahr weniger Spiele anschaue, obwohl Fußball mich von Kindheit an triggert... Mich nervt einfach, dass die Kommerzialisierung so grenzenlos weiter geht, FIFA, UEFA oder auch die DFL immer weiter an der Schraube Vermarktung drehen, keine Spur von Selbstbeschränkung. Hm dennoch, mit einem herrlichen Fußballspiel vergnüge ich mich dennoch immer noch gern...

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 14 Tagen ·

      @charly kowalczyk ja das meine ich letztlich - man ist sich ja über den ganzen Kommerz und auch über die Korruption im Klaren. Und man ist natürlich Teil des Problems wenn man immer wieder davor sitzt. Ändern würde sich ja nur was, wenn das Produkt nicht mehr funktionieren würde, wenn die Aufgeblasenheit ihre Grenze finden würde.
      WM in Katar im Winter wird jedenfalls boykottiert von mir...na ja Halbfinale gegen Frankreich vielleicht nicht.

  2. Jörn Klare
    Jörn Klare · Erstellt vor 15 Tagen ·

    Ja, das stimmt natürlich alles. Fußball ist Opium für das Volk. Mein Problem ist nur, dass ich in den letzten Wochen kaum eine spannendere Unterhaltung als die Halbfinalbegegnungen der Championsleague oder die Relegationspiele zur Bundesliga erlebt habe ...

    1. charly kowalczyk
      charly kowalczyk · Erstellt vor 14 Tagen ·

      Hallo Jörn,
      die Halbfinale der Championsleague waren beste Unterhaltung, spannend, dramaturgisch grandiose Dramaturgie, klar, hat Spaß gemacht zu gucken. Aber dennoch ist nach dem Spiel die Distanz sehr schnell wieder da, die Distanz zu den Akteuren dieses Milliardenspiels. Ja, vielleicht ist es eine Abwendung von dem ganzen Spektakel...

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