Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Reportagen und Interviews

Jannis Brühl
Redakteur
Zum piqer-Profil
piqer: Jannis Brühl
Freitag, 30.11.2018

Mit Akif Pirinçci auf - erfolgloser - „Jagd“

Vor einigen Tagen ließ Akif Pirinçci einen besonders ekelhaften Tweet ab, der natürlich rumgereicht wurde. Das erinnerte mich an dieses SZ-Porträt von ihm von 2014. Es ist eine Momentaufnahme aus der Zeit, bevor der vulgäre rechte Diskurs vollends übers Land hereinbrach. Der Romanautor, stinkreich geworden mit seinen Katzenkrimis, hat diese Hass-Sprache mitgeprägt. (Ob „linksgrünversifft“ und diverse „Gender“-­Diskreditierungen etc. tatsächlich ihren Ursprung in seinen Texten haben, wäre mal eine eigene Recherche für Linguisten wert).

Reporter Marc Felix Serrao besuchte ihn in Bonn und beobachtete ihn dort beim Welterklären. In dieser Welt ist alles „Deutsche“ nicht zu kritisieren; sind die Linken Heuchler, weil sie keine Ausländer in ihrer Nachbarschaft wollen; die Ausländer Schmarotzer, wenn sie nicht schweigend buckeln, wie Pirinçci es in seiner türkischen Familie erlebt haben will. In Pirinçcis Welt wollen die Muslime nur „unsere“ Frauen. Und die Frauen sind nur für eines da und wollen nur ihn. Pirinçcis Obsession mit Sex geht mit seinem Hass Hand in Hand und bietet sich als Erklärung für seine Ausfälle an. Sein Scheitern beim Flirten mit einer jungen Kellnerin in der letzten Szene ist das Highlight des Artikels. Fast könnte man Mitleid haben.

Dem ein oder anderen mag der Reporter übertrieben viel Verständnis für Pirinçci aufbringen. Die langen Zitate aus Pirinçcis Buch sind ermüdend. Aber der Artikel ist eine interessante Annäherung an einen Freak, und versucht, fair zu ihm zu sein. Und Pirinçcis Beobachtungen der Salonlinken, die in Bonns bestem Viertel über ertrunkene Flüchtlinge klagen, deren Milieu aber selbst keinerlei „Open Borders“ hat, könnten ja auch einfach stimmen. An welchem Punkt sich daraus Irrsinn und Stakkato-Fäkalsprache entwickelt haben, klärt allerdings auch dieser Text nicht auf.

Und ja, niemand muss Zeit opfern, um sich mit dem Mann zu beschäftigen. Es gibt zigtausend sinnvollere Beschäftigungen. Man kann auch einfach zum nächsten piq springen. Oder einen Katzenkrimi lesen.

Mit Akif Pirinçci auf - erfolgloser - „Jagd“
7,3
9 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!

Kommentare 2
  1. Theresa Bäuerlein
    Theresa Bäuerlein · vor 10 Tagen

    Ganz ehrlich, ich fand die Katzenkrimis damals super, aber die Sexszenen darin waren schon immer seltsam - irgendwie spiegelte sich darin eine ziemlich unangenehme Bewunderung für ein Paarungsverhalten, dass bei Katzen normal, bei Menschen aber ziemlich bescheuert ist. Also hätte man es damals vielleicht schon ahnen können.

    ""Deutschland von Sinnen" landete schon Anfang März - einen Monat vor Verkaufsstart - bei den Bestellungen des Online-Versandhändlers Amazon auf Platz vier, und das ohne Vorabdrucke in Bild und Spiegel. Der Mann hat offensichtlich einen Nerv getroffen." - ich frage mich, hat er das wirklich? Oder liegt es vielleicht auch einfach daran, dass die Bücher von Autoren großer Bestseller erstmal immer weit oben landen?

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor 9 Tagen

    Tatsächlich gut zu lesen und tatsächlich gibt es sinnvollere Beschäftigungen. Die ggf. richtige Kritik an Salonlinken müssen wir woanders herkriegen, denn das ist irgendwie echt wie eine weitere Folge von "walking dead"...mit den Zombies hatte ich auch immer sehr Mitleid.