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Reportagen und Interviews

Elisabeth Dietz
Redakteurin, Community Manager

An Literatur interessiert mich besonders, wie Mentalitäten und soziale Mechanismen sichtbar werden. Für das BÜCHERmagazin schreibe ich vor allem über Comics, Phantastik und digitale Literatur. Ich mag Konflikte, Tentakel und sprachliche Schönheit.

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piqer: Elisabeth Dietz
Freitag, 30.09.2016

„Menschen, die für Pluralismus einstehen, bekommen geballten Hass“

Im Dezember 2015 teilte ich einen Text, der mich an Platons Dialoge erinnerte. Platon war in diesem Fall eine resolute Dame mit syrischen Wurzeln, ihre Gesprächspartner muslimische Hauptschüler und Dinslaken eine Doppelstunde lang Athen. Lamya Kaddor unterrichtet Islamkunde. Sie legt viel Wert auf kritisches Denken, auf Verständigung. Sie hofft, dass das ihre Schüler stärken wird – gegen die radikalen Salafisten von nebenan. Sie steht für einen liberalen, weltlichen Islam.

Vor wenigen Tagen ist Lamya Kaddors Buch „Die Zerreißprobe“ erschienen, in dem sie darauf aufmerksam macht, dass die Mehrheitsgesellschaft, möchte sie Zuwanderer integrieren, ihre eigenen liberalen Werte konsequent leben muss.

Wer hinnimmt, dass Nordafrikanern der Zutritt zu Schwimmbädern verwehrt wird, läuft Gefahr, bald auch über die Beschränkung ganz anderer, fundamentaler Rechte sprechen zu müssen. Umgekehrt gilt, dass keine Ideologie, keine Weltanschauung über unserem Grundgesetz stehen darf: Auch hier droht der Demokratie in Deutschland Gefahr.

Seitdem bekommt sie Hass-Nachrichten und Morddrohungen. Aus Sicherheitsgründen ist sie derzeit vom Schuldienst beurlaubt. Im Deutschlandfunk-Interview erzählt sie von Menschen, die Hass-Mails mit ihren Klarnamen unterschreiben und Briefe mit „Heil Hitler!“ eröffnen. Von Netzwerken, die sie orchestriert beschimpfen. Davon, dass die Polizei auf Drohungen aus dem rechten Spektrum weit weniger scharf reagiert als auf solche von Islamisten. Und, dass diese Phänomene nicht nur sie als Muslima betreffen. „Ich kriege so viele Zuschriften inzwischen von Menschen deutsch-russischer Herkunft, polnischer Herkunft, jüdischer Religionszugehörigkeit. Menschen, die alle für Pluralismus einstehen, bekommen geballten Hass.“

„Menschen, die für Pluralismus einstehen, bekommen geballten Hass“
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