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Mittwoch, 15.02.2017

Mensch sein wollen – und daran kaputt gehen

Es ist 2012, an einem Montagmorgen, als Ulrike S. zusammenbricht, Blutdruck 260 zu 190. „Sie gehen kaputt, Frau S.", sagt eine Ärztin. Sie weiß es ja selbst, aber was sollte sie machen? Für andere da sein, das war ihr Leben.

In „Die Geberin“ erzählt Reporter Erwin Koch die Geschichte einer Frau, der die Liebe zum Verhängnis wurde. Ulrike S. ist eine Pflegerin. Eine, die mehr tun will als nur Dienst nach Vorschrift, die auch nach Dienstende in die Zimmer geht, zu Herrn P., um mit ihm zu weinen, zu Frau G., um mit ihr zu lachen. Eine, die sich als Clown verkleidet, um diesen Menschen Freude zu bringen.

Vielleicht ist Ulrike S. genau die richtige Person für diesen Job und aus denselben Gründen die falsche. Sie sagt: „Anders zu sein, weniger einfühlsam, weniger gesprächig, weniger kindlich, weniger neugierig, habe ich mir nie gewünscht. Könnte ich mir etwas wünschen, dann dies, dass ich weniger verletzlich wäre.“ Ihre Zuneigung für andere ist es, die Ulrike S. letztlich kaputt macht.

„Die Geberin“ ist auch deswegen ein wunderbarer Text, weil Koch sich in ihm angenehm zurückhält. Er lässt seine Protagonistin erzählen und gibt dieser Erzählung lediglich ein wenig Struktur. Im Kleinen entwickelt sich so die große gesellschaftliche Spannung zwischen Pflegeökonomie und Menschlichkeit, die uns in einem immer älter werdenden Land am Ende alle betreffen kann.

Mensch sein wollen – und daran kaputt gehen
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