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Dmitrij Kapitelman
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piqer: Dmitrij Kapitelman
Sonntag, 14.08.2016

Land of the free (and totally watched over )

Eigentlich ist mein Jahrespensum für Texte über Angst als dominierendes Gesellschaftsgefühl gedeckt. Inzwischen fürchte ich mich vor Leitartikeln, die Analysen versprachen und letztlich nur Allgemeinsätze auffahren. Dieses Stück von Sacha Batthyany möchte ich dennoch empfehlen.

Darin erzählt Batthyany - selbst in den USA lebend - von gespenstisch kinderlosen amerikanischen Vorstädten. Nicht dass es keine Kinder gäbe, man sieht sie nur nicht. Weil sie in Sicherheit, das heißt, im Haus bleiben sollen. Allein zur Schule gehen? Zu gefährlich. Nach der Schule draußen spielen? Zu gefährlich. Eine Minute im Auto auf Mama warten? Zu gefährlich. Das Bild eines paranoiden Brutkastens der Überfürsorge. Entstanden durch völlig verzerrte Risikowahrnehmung.

Wirklich spannend wird der Text aber, als es um die Rolle des Child Protective Services (CPS) geht. Pendant zum deutschen Jugendamt. Hier wird ein Angsttext endlich konkret fassbar. Weil er die toxische Wirkung institutionalisierter Furcht einfängt. Die beispielsweise solchen Irrsinn ergibt:

„In Connecticut überhörte Maria Hasankolli eines Morgens im November ihren Wecker, worauf sich ihr Sohn, 8 Jahre alt, allein auf den Weg machte. Zwei Polizisten hielten ihn an, begleiteten ihn zur Schule, fuhren daraufhin zur verschlafenen Mutter zurück und legten ihr Handschellen an. Die Anklage lautete, sie habe ihr Kind willentlich in Gefahr gebracht, es war von einer 10-jährigen Gefängnisstrafe die Rede. Hasankolli kam gegen 2500 Dollar Kaution wieder frei. Sie geht jetzt jeden Abend mit der Angst ins Bett, sie könnte den Wecker noch einmal überhören, schreibt sie: «Dann nehmen sie mir meinen Sohn weg.»

Land of the free (and totally watched over )
8,3
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