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Reportagen und Interviews

Elisabeth Dietz
Redakteurin, Community Manager
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piqer: Elisabeth Dietz
Montag, 19.06.2017

„Kein guter Ort für Menschen“ – Hausfriedensbruch in einer iPhone-Fabrik

Nachdem sich im ersten Halbjahr 2010 zehn Angestellte das Leben genommen hatten, brachte der chinesische iPhone-Hersteller Foxconn Netze zwischen den Gebäuden an, von denen sich die Verzweifelten herabgestürzt hatten. Aktivisten machten auf die Arbeitsbedingungen im Unternehmen aufmerksam: Zwölf-Stunden-Schichten, ständige Überstunden, öffentliche Demütigungen, zurückgehaltene Löhne. 

Longhua, die größte der Foxconn-Produktionsstätten, liegt etwas außerhalb von Shenzhen. Die Anlage, in der die Arbeiter wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen, beherbergt etwas weniger als 450 000 Menschen und wird streng bewacht. Für sein Buch The One Device: The Secret History of the iPhone hat sich Brian Merchant hineingeschlichen.

A Reuters journalist was once dragged out of a car and beaten for taking photos from outside the factory walls. The warning signs outside – “This factory area is legally established with state approval. Unauthorised trespassing is prohibited. Offenders will be sent to police for prosecution!” – are more aggressive than those outside many Chinese military compounds. But it turns out that there’s a secret way into the heart of the infamous operation: use the bathroom.

Merchant nimmt uns mit in eine stille, schwere Welt, eine Stadt außerhalb der Stadt mit verwahrlosten Außenbezirken, einem hübschen Zentrum und Wohnkomplexen, in denen acht Männer sich ein Zimmer teilen. Die Gespräche, die der Journalist mit den Angestellten führt, zeigen, dass sich an den Arbeitsbedingungen wenig geändert hat. „Ohne Leute, die sterben“, sagt ein Ex-Mitarbeiter, „wäre es nicht Foxconn.“*

*Diese Einleitung wurde auf einem MacBook Pro verfasst, das ich mir unter fairen Bedingungen womöglich nicht leisten könnte.

„Kein guter Ort für Menschen“ – Hausfriedensbruch in einer iPhone-Fabrik
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Kommentare 2
  1. Fabian Köhler
    Fabian Köhler · vor etwa 2 Monaten

    Zu deinem Schlussstatement: Irgendwo habe ich einmal ein ziemlich gute Reportage darüber gelesen, dass der Glaube, der westliche Endkunde könnte sich fair produzierte Produkte nicht leisten, ein Mythos ist. Leider finde ich die Geschichte nicht mehr. Aber was ich noch so ungefähr in Erinnerung habe: Die kompletten Produktionskosten eines aktuellen 600$ (oder 700$?)- IPhones liegen bei weniger als als 200$, der Rest ist Gewinn. Davon entfallen 7 oder 8$ (vielleicht waren es auch Euro) auf Lohnkosten. Bei H&M-Shirts liegen die Lohnkosten bei ca 60 Cent (die Gewinnmarge ist aber wesentlich geringer.) Lange Rede, kurzer Sinn: Selbst, wenn man den Arbeitern 50 oder 100 Prozent mehr zahlen würde, würde das den Endkunden kaum belasten.

    1. Elisabeth Dietz
      Elisabeth Dietz · vor etwa 2 Monaten

      Das ist ein guter Einwand. Die Leute von Fairphone, z. B. arbeiten unter genau dieser Prämisse, s. www.fairphone.com/en/. Jetzt hätte ich gern einige Wirtschaftsexperten, die mir erklären, was sich alles ändern muss, damit alle Unternehmen möglichst fair produzieren.