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Reportagen und Interviews

Integration durch Zusammenleben. Eine kluge Idee aus Konstanz

charly kowalczyk
journalist

Im badischen Singen am Hohentwiel geboren und in Potsdam lebend. Schreibe Radiofeature für den Deutschlandfunk bzw. für DLF Kultur und für die Sender der ARD. Mitgründer des Bremer Hörkinos. Seit 17 Jahren stellen wir in Bremen ein Radiofeature der Öffentlichkeit vor.
www.bremer-hoerkino.de

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charly kowalczykMontag, 08.11.2021

"Wie kann die Transformation in ein zukunftsfähiges Land gelingen? Mit dieser Frage beschäftigt sich vom 7. bis 13. November die ARD-Themenwoche "Stadt.Land.Wandel – Wo ist die Zukunft zu Hause?"

Zu diesem Thema gibt es eine sehr schöne SWR 2-Reportage aus Konstanz, der attraktiven Stadt am Bodensee, in der Wohnungsmieten kaum noch bezahlbar sind:

"Mein Name ist Till Hastreiter, und ich bin einer von den Gründern von Konstanz 83 aus Konstanz am Bodensee... Das Projekt 83 gibt es seit 2015, und das ist im Zuge der großen Fluchtbewegung von Kriegsflüchtlingen aus Syrien entstanden. Und das Projekt 83 ist ein Integrationsprojekt durch privates Wohnen"

In Konstanz am Bodensee ist Wohnraum also enorm teuer. Im Schnitt zahlt man hier für einen Quadratmeter 12-15 Euro kalt. Und es gibt Menschen, die im Grunde so viel Platz in ihrem Haus haben, den sie gar nicht benötigen.

"Es gibt relativ viel inaktiven Wohnraum. Das heißt eben: das Zimmer der ausgezogenen Kinder oder die Souterrain-Wohnung oder dann halt noch einen Teil einer großen Wohnung, den man abteilen kann. Oder einfach ganze leerstehende Etagen, weil es gerade ältere Leute gibt, die nicht wissen, was sie damit machen wollen, aber es jetzt auch finanziell nicht nötig haben, das zu vermieten – und den Aufwand eigentlich scheuen. Und da kommen wir dann ins Spiel als Projekt 83, das eben das alles organisiert und die Leute zusammen matcht – sagen wir immer, also wir versuchen den perfekten Mitbewohner und den perfekten Mieter zu finden für die Bedürfnisse der Vermieter."

Konstanz ist begrenzt: durch die Schweiz, den Bodensee und den Rhein. Und es gibt viele Naturschutzgebiete. Es fehlt an Fläche, um neu zu bauen. Hinzu kommen Tausende Studierende, die günstigen Wohnraum brauchen. Und nicht zuletzt gibt es in der Stadt am Bodensee viele Ferienwohnungen, die den Einheimischen als Wohnraum fehlen. 

Dazu kommt eine grundsätzliche Überlegung: Während 1991 eine Person in Deutschland noch knapp 35 Quadratmeter bewohnte, sind es 2020 schon mehr als 47 Quadratmeter. Wäre es also nicht eher an der Zeit, zu überlegen: Wie viel Wohnraum wir tatsächlich benötigen? Und wie wir unseren existierenden Wohnraum besser aufteilen könnten? Die Kritik am Bau von Einfamilienhäusern nimmt weiter zu. Sie verbrauchen Platz, versiegeln Fläche. Der Konstanzer Architekt Stephan Romero fordert deshalb Veränderungen:

"Wir haben früher viele Einfamilienhäuser gebaut und haben am Anfang nicht solche Dinge bedacht, weil wir viel Spaß hatten am offenen Raum. Und da sind Häuser entstanden, die jetzt von Einzelpersonen bewohnt werden, die eigentlich aufgeteilt gehören, weil viel zu viel Raum da für wenige Personen vorhanden ist. Das heißt: Richtig wäre, Grundrisse zu entwickeln, die Verkleinerungen und vielleicht sogar Vergrößerungen mitmachen, so dass man, wenn die Kinder ausziehen, etwas abtrennen kann oder wenn die Oma dazu ziehen soll, etwas dazu nehmen kann und solche Dinge."

Die Initiative "Konstanz 83" engagiert sich für die Integration von Flüchtlingen und der einheimischen Bevölkerung. Denn wenn Flüchtlinge auf Dauer in einem Flüchtlingsheim leben müssen, wird Integration eher verhindert. Helin kam vor nicht langer Zeit aus Syrien. Sie hat eine Wohnung durch die Initiative "Konstanz 83" gefunden:

"Ich bin Helin I., ich bin 27 Jahre alt... Und ich bin nicht so lange in Deutschland. Ich bin hier seit einem Jahr und acht, neun Monaten in Deutschland."

Mittlerweile sind durch die Initiative "Konstanz 83" schon mehr als 200 neue Mietverhältnisse entstanden. Nun breitet sich diese Idee auch in anderen Städten Baden-Württembergs aus. Das Engagement wird sogar noch erweitert. Jetzt geht es darum, Wohnraum zu sozialen Preisen grundsätzlich an alle Menschen mit wenig Geld zu vermieten, für die eine Wohnungssuche auf dem normalen Markt kaum möglich ist. Verschiedene Kommunen beteiligen sich an der Initiative, wie der "Konstanz 83" Gründer Till Hastreiter in der Reportage erzählt. Zum Beispiel auch die Stadt Offenburg:

"Die Kommune hat einfach gesagt: Wir schütten Prämien aus. Wer sozial vermietet, kriegt zwei Nettokaltmieten auf die Hand, einfach als Belohnung dafür, dass er sich auf eine soziale Vermietung einlässt, die ihm wahrscheinlich 20 Prozent weniger Miete bringt, als er auf dem freien Markt kriegen könnte. Einfach als Anerkennung.(...) Wissenschaftlicher Konsens ist, dass dezentrales Wohnen zur Integration führt. Und es hat nichts mit Geflüchteten oder Migrationshintergrund zu tun. Sondern Städte, die gemischte Milieus haben. Also wo Schlechtverdiener neben Gutverdienern wohnen, sind einfach gesündere, weil sozial friedlichere Städte. Gemischte Milieus, führen dazu, dass der soziale Frieden relativ hoch ist. Das absolute Gegenteil von dezentralem Wohnen sind halt Wohnheime – sei es für Geflüchtete, sei es für Obdachlose, sei es für Leute, die keine Kohle haben."

Eine wunderbar anregende Reportage!

Integration durch Zusammenleben. Eine kluge Idee aus Konstanz

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