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Reportagen und Interviews

charly kowalczyk
journalist
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piqer: charly kowalczyk
Montag, 07.10.2019

„Ein guter Tag ist, wenn keiner stirbt“

„Die Erwartungen sind hoch, die Bezahlung niedrig, Krankenschwester Ulla Hedemann über Witze im OP, den Berliner Pflegeschlüssel und den Umgang mit dem Tod“.

Dieses Sonntag-Interview im Berliner "Tagesspiegel" ist großartig. Ulla Hedemann erzählt unpathetisch über den Pflegealltag in der Kinderintensivstation am Berliner Virchow Klinikum, über die Last des Alltags, und erklärt dabei, warum viele nach ein paar Jahren die Flucht aus dem Beruf ergreifen. Wenn die Arbeitsbedingungen besser wären, wären die meisten dageblieben, und in den Kliniken würde es nicht überall an Personal fehlen. Man spürt, wenn sie erzählt, wie hoch der Arbeitsdruck ist. Wie alles zusammenbrechen würde, wenn sie keine Überstunden ansammeln würden. Und nicht zuletzt, wie hoch die seelischen Belastungen der Pflegekräfte sind. Bis heute sei es in unserer Gesellschaft verankert, dass Pflegekräfte sich für ihren Beruf hingeben würden. Ulla Hedemann will nicht, dass es so bleibt. Sie ist eine der wenigen Krankenschwestern, die in eine Gewerkschaft eingetreten ist, um für die Anerkennung ihres Berufes zu kämpfen:

"In den vergangenen Jahren haben wir durch Streiks und Aktionen klargemacht: Wir sind nicht eure Diener, keine Heiligen, sondern eine professionelle Berufsgruppe. Wir wollen auf Augenhöhe mit dem Arzt arbeiten, statt als devote Schwester hinterherzukriechen. Ich verdiene 1200 Euro, mit Schichten ungefähr 1500, und lebe mit meinem Sohn in einer Einzimmer-Wohnung in Wedding. Zum Vergleich: Ein Facharbeiter bei VW bekommt als Einstiegsgehalt 4000 Euro.“

Für mich war u. a. interessant zu erfahren, dass in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern der Pflegeberuf ein reiner Ausbildungsberuf ist. Ulla Hedemann studiert neben ihrer Arbeit, um Patienten besser behandeln zu können. Die Pflege muss sich genauso weiterentwickeln wie die Medizin ...

Früher hat man zum Beispiel gesagt, Föhnen und Eineisen ist die beste Dekubitus-Prophylaxe (…) Man hat den Rücken mit Eis eingerieben und dann geföhnt, immer im Wechsel, um die Haut zu stärken, damit es keine wunden Stellen gibt. Es hieß: Das haben wir immer so gemacht, und es hat geholfen. Studien haben dann gezeigt, nicht das Föhnen und Eisen hat geholfen, das schädigt eher die Haut, das Hin- und Herlagern hat’s gebracht.

Statt die Arbeitsbedingungen und den Lohn von Pflegekräften hierzulande zu verbessern, wirbt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Mexiko, in den Philippinen oder aus dem Kosovo Pflegekräfte ab - und das, obwohl diese Staaten die Pflegekräfte selbst im Land brauchen. Wie brutal ist das eigentlich!

„Ein guter Tag ist, wenn keiner stirbt“
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Kommentare 1
  1. Gaby Feile
    Gaby Feile · Erstellt vor 10 Tagen ·

    Danke für dieses interessante Interview. Wie wir mit Kranken oder Alten und ihren Pflegern umgehen, zeigt, wie weit unsere Gesellschaft wirklich ist. Wertschätzung für soziale Berufe wird durch mehr Geld nur marginal ausgedrückt. Ich sag's mal direkt: Erst wenn Eltern ihren Kindern nicht davon abraten, in die Pflege oder ähnliche Berufe zu gehen, haben wir wahre Wertschätzung erreicht.

    Von der allgegenwärtigen Akademisierung halte ich nur bedingt etwas. In anderen Ländern gibt es das Duale Ausbildungssystem nicht. Deshalb "studieren" Menschen dort den Beruf des Krankenpflegers. Gerade in Berufen, die für Menschen (in Extremsituationen) da sind, halte ich es für sehr wichtig, praktisch zu lernen, wie man mit Menschen umgeht, nicht theoretisch im Hörsaal. Das Fachwissen ist natürlich wichtig, auch eine laufende Aktualisierung. Doch dies lässt sich auch anders vermitteln als an der Uni. Wenn eine Akademisierung (und die erwünschte Folge: höheres Gehalt) der einzige Weg ist, der uns einfällt, um Pflegeberufe aufzuwerten, dann sagt das sehr viel über unsere Einstellung zu Menschen aus.

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