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Reportagen und Interviews

Dmitrij Kapitelman
Lesen, Schreiben, Mirsachenmerken. Journalismus darf auch Spaß machen.
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piqer: Dmitrij Kapitelman
Dienstag, 31.05.2016

Die Legenden vom sprechenden Biller

Manche Menschen haben Freunde. Mit diesen Freunden unterhalten sie sich oft über Dinge, die ihr Berufsleben betreffen. Wäre ein Großteil meiner Freunde beispielsweise Heißluftballonsteuerer, würden wir uns unweigerlich übers Heißluftballonsteuern austauschen. Fänden meine Freunde ihr Auskommen als Heißluftballonabsturz-Bergungskommando, so wüsste ich bestimmt vieles von abgestürzten Heißluftballons. Nun sind viele meiner Freunde und erweiterten Bekannten aber Journalisten. Also auch viel heiße Luft, viel Abgehobenes. Mit einigen von ihnen spreche ich manchmal über Maxim Biller Interviews. Die einen berichten, dass er beim falschen Medium ein richtiger, einsilbiger Kotzbrocken sein könne. Andere verdammen ihre Kollegen dafür, dass sie ausführlich beschreiben, welchen Kaffee Maxim Biller wie beim Interviewtermin trank. Und sich damit als feuilletonistische Vordenker gerieren. Nun habe ich zum ersten Mal ein Interview mit Biller gelesen. Ich habe es sogar dreimal gelesen, weil ich nicht wusste, was ich davon halten soll (und ein pflichtbewusster Piqer bin). Und möchte folgende Heißluft verlautbaren:

In diesem Gespräch steckt der potenteste Rant gegen Thomas Mann, den man sich nur wünschen kann. Eine vorzügliche Kante gegen deutsche Homogenitätszwänge aller Art (politisch, kulturell und intellektuell). Und dass Deutschland die ruhigen, weil toten Juden oftmals liebreizender findet, als jene, die streitbar, laut und gegenwärtig sind - das würde ich auch mal gern einem Reporter erzählen. Dann ist da noch allerlei scharfzüngiger Literatur-Narzisstenquatsch. Für den Biller nur zu fünfzig Prozent etwas kann, weil der Interviewer ihm die Zunge mit seinen Fragen klebrig und scharf macht. Jedenfalls ist das Gespräch recht unterhaltsam und konstant nonkonformistisch. Ich habe keine überhöhten Kaffeebeschreibungen und verschlossenen Einsilbigkeiten entdeckt. Stattdessen vieles über Biller erfahren und ein paar Feuersätze bekommen. Genug Stoff für ein kontroverses Gespräch unter Freunden.

Die Legenden vom sprechenden Biller
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