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Reportagen und Interviews

Deutschlands historische Verantwortung für die Ukraine

Christian Gesellmann
Autor und Reporter

Geboren 1984 in Zwickau, Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und Germanistik in Jena und Perugia. Volontariat bei der Tageszeitung Freie Presse, anschließend zweieinhalb Jahre als Redakteur in Zwickau. Lebt als freier Autor in Leipzig und Bukarest. Quoten-Ossi bei Krautreporter.

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Christian GesellmannDonnerstag, 12.05.2022

Timothy Snyder ist ein US-amerikanischer Historiker und Professor an der Yale University. Seine Forschungsschwerpunkte sind Osteuropäische Geschichte und der Holocaust. Auf Einladung der Grünen hielt Snyder 2017 einen mehr als bemerkenswerten Vortrag im Bundestag über Deutschlands historische Verantwortung für die Ukraine. Gestoßen bin ich auf ihn in den Fußnoten eines Essays der ukrainischen Künstlerin Asia Bazdyrieva, in dem sie so klug wie deprimierend die postmoderne Geschichte der Entmenschlichung der Osteuropäer:innen zusammenfasst. Snyders Forschung ist in diesem Zusammenhang unersetzlich, denn wie kein anderer Historiker hat er dargelegt, welch zentrale Rolle die Eroberung der Ukraine und die Versklavung ihrer Bevölkerung, bei der Planung und Durchführung des Zweiten Weltkrieges für die Deutschen spielte:

The Ukrainians were to be at the center of the project of colonization and enslavement. The Ukrainians were to be treated as Afrikaner or as Neger. This word was very often used, as those of you who read German documents from the war will know. By analogy with the United States the idea was to create a slavery driven exterminatory colonial regime in Eastern Europe with the center was going to be Ukraine. (...) The purpose of the Second World War from Hitler's point of view was the conquest of Ukraine. 

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mir war diese derart exponierte Rolle der Ukraine nicht klar. Ehrlich gesagt hat es mich einigermaßen aus den Socken gehauen, mein eigenes Nichtwissen. Denn es handelt sich dabei nicht um einen blinden Fleck in der Lektüre. Snyder prangert diese merkwürdig präzise Geschichtsvergessenheit der deutschen Öffentlichkeit nicht an, er fragt nach ihren Gründen, nach der Funktion, denn das Nicht-Erinnern ist so funktional wie das Erinnern selbst:

Why is it not always remembered that Ukraine was the center of Hitler's ideology? Why is it not always remembered that Ukraine was the center of German war planning? Why is it not always remembered that Ukrainians were intended slaves of Germany? Why is it not always remembered that Ukrainians were understood racially by Nazi ideology? Why is it not always remembered that if you want to understand the holocaust we have to start with Ukraine? Why is it not always remembered that about 6.5 million inhabitants of Soviet Ukraine died as a result of German occupation?

Ich werde die Antwort(en), die Snyder darauf gibt, nicht spoilern. Für mich jedenfalls hat dieser Vortrag viele lose Fäden in meinem Verständnis sowohl der geopolitischen Hintergründe des aktuellen Krieges in der Ukraine, als auch der Argumentationslinien der deutschen Antworten darauf, zusammengeknüpft. So prophetisch wie unerhört, leider, die letzten Worte Snyders in diesem Vortrag aus dem Jahr 2017:

Getting the history of Ukraine wrong in 2013 and 2014 had European consequences. Getting the history of Ukraine wrong now when Germany is the leading democracy in the West will have international consequences.
Deutschlands historische Verantwortung für die Ukraine

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Kommentare 1
  1. Maximilian Rosch
    Maximilian Rosch · vor 15 Tagen

    Bei mir läd das Video auf der verlinkten Webseite nicht. Ich habe es aber auch auf Youtube gefunden: https://www.youtube.co...

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