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Reportagen und Interviews

Christian Gesellmann
Autor und Reporter
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piqer: Christian Gesellmann
Montag, 04.04.2016

Das große Beben wird kommen. Sehr bald, übrigens

Der Artikel beginnt mit einer Beschreibung des verheerenden Erdbebens in Japan 2011, das, gefolgt von einem Tsunami, zehntausende Menschen das Leben kostete und bis heute kaum zu beziffernden Sachschaden anrichtete (und als indirekte Folge den deutschen Ausstieg aus der Atomenergie begründete). Doch so schwerwiegend die Katastrophe war, sagen Wissenschaftler, sie war nur eine Kostprobe dessen, was noch bevorsteht - "The Big One" wird erst noch kommen und zwar ziemlich bald.

Vor rund 50 Jahren entdeckten Forscher, was später „Kaskadische Subduktionszone“ genannt werden sollte und sich ein paar hundert Meilen seewärts vor der US-Küste erstreckt, von Kalifornien über Washington nach Kanada. Subduktion könnte man auch als Verschluckung übersetzen. In diesem Fall verschluckt die Kontinentalplatte die Ozeanische Platte Juan de Fuca, die langsam, aber kontinuierlich unter sie gleitet. Dabei bleibt sie, um im Bild zu bleiben, der Kontinentalplatte im Halse stecken. Und die Hölle wird losbrechen, wenn die Nordamerikanische Kontinentalplatte die unvermeidliche Hustenattacke bekommt. Das Risiko, dass das innerhalb der nächsten 50 Jahre passiert, liegt bei etwa 40 Prozent.

Die Autorin nimmt uns zunächst mit auf eine Reise in die Untiefen von Geologie und Seismologie und lässt dabei durchblicken, wie langsam die Menschen darin waren, die seismische Geschichte des Pazifik zu verstehen. Und gleichzeitig kann sie nachvollziehbar die Zahl der Opfer und die Kosten, die das zu erwartende Kaskadische Beben haben wird, voraussagen - was den Blick auf das größere Bild lenkt: Wenn alles so klar ist: Warum unternimmt denn bloß niemand etwas?

Wir wissen, dass das große Beben kommen und Hunderttausende das Leben kosten wird. Aber in den betroffenen Gebieten werden weiter Häuser gebaut. Bestehende Gebäude werden nicht gesichert. Die Menschen glauben wider besseren Wissens, dass es sie schon nicht mehr zu Lebzeiten treffen wird. Ein bisschen wie die Amerikaner, die noch während der großen Dürre kürzlich in Kalifornien behaupteten, es gebe diese Dürre nicht, es könne sie gar nicht geben, man habe doch immer seine Steuern bezahlt.

Umso absurder, dass in den Kinos alle möglichen Untergangsszenarien die Kassen klingeln lassen, dementsprechend immer wieder beweisen, dass es dem Menschen an apokalyptischer Vorstellungskraft keineswegs fehlt (noch absurder, wenn man bedenkt, dass auch von Hollywood nicht viel übrig sein wird nach dem Beben). Aber ein Teil der Faszination solcher Filme liegt wahrscheinlich darin, dass man nach dem Weltuntergang einfach aufstehen kann, pissen geht und seine Begleitung am Ausgang wiedertrifft.

Das große Beben wird kommen. Sehr bald, übrigens
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