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Reportagen und Interviews

Toni Nürnberg
Journalist
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piqer: Toni Nürnberg

Darf ein Journalist Fliehenden helfen?

Politischer Journalismus soll objektiv sein, die Fakten neutral abwägen und dem Leser die Chance geben, sich eine eigene Meinung zu bilden. Der Gonzo-Journalismus weiß um die Tücken dieser scheinbaren Objektivität und hält mit seiner schonungslosen Subjektivität dagegen. Das ist ehrlicher und realistischer. Martin Kaul hat Flüchtlinge, die sich über das ungarische Keleti auf den Weg in nach Deutschland machen, eine Woche begleitet. Der Text liefert keine Zahlen, kaum Fakten, keinen ordnenden Rahmen, hinter dem sich der Leser verstecken kann. Er berichtet von Menschen, die um Nahrung und Wasser kämpfen. Von Kindern, die schreien und weinen. Wir lesen von Polizisten, die an Grenzübergängen in Tränen ausbrechen. Auch mit seinen eigenen Gefühlen hält der Autor nicht hinter dem Berg. Er beschließt, sich einzumischen und zu helfen. Dafür muss er sich von einem Kollegen die Frage gefallen lassen, ob dies mit seiner Rolle als Journalist vereinbar sei. Die Frage zielt darauf ab, ob ein Reporter Teil der Geschichte werden und so seine kritische Distanz aufgeben darf. Wäre Kaul ein Roboter, wäre die Antwort einfach und der Text nur ein weiterer Vor-Ort-Bericht. Doch gerade sein zutiefst menschliches Ringen mit sich und der Situation macht diesen Bericht so lesenswert.
Darf ein Journalist Fliehenden helfen?

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Kommentare 4
  1. Marcus Bösch
    Marcus Bösch · vor etwa einem Jahr

    "Politischer Journalismus soll objektiv sein, die Fakten neutral abwägen" – Wer behauptet den sowas noch? Journalismus war, ist und wird nie objektiv sein können. Und bevor jetzt der Verweis auf den seligen Hajo Friedrichs kommt, empfehle ich die Lektüre: mrtnh.de/das-objek...

    1. Alexander Krützfeldt
      Alexander Krützfeldt · vor etwa einem Jahr

      Das ist ganz interessant, aber man muss dem nicht zustimmen, denke ich. Es ist lediglich seine Meinung. Ich persönlich würde das so nicht unterschreiben. Obwohl alte Statements in jedem Fall schnell überholt sind, ganz klar.

  2. Marcus Ertle
    Marcus Ertle · vor etwa einem Jahr

    Für mich persönlich bisschen zuviel Selbstbeschreibung des Journalisten.

  3. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor etwa einem Jahr

    was für ein Satz!
    "Man konnte Keleti zwar noch als Journalist betreten, aber nur noch als Mensch verlassen."
    Wäre mir nie eingefallen, dass ein Journalist seine Rolle verletzt, wenn er persönlich involviert wird. Ist der Anspruch, dass er sich durch das Geschehen bewegt, wie durch ein Holo-Deck? Große und informative Teile seines Berichtes sind ja überhaupt nur möglich, weil er sich involviert!

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