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Pop und Kultur

Fabian Peltsch
Musikjournalist
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piqer: Fabian Peltsch
Freitag, 17.11.2017

Wie drei kambodschanische Straßenkinder mit Death Metal den Weg aus der Armut fanden

Heute möchte ich ausnahmsweise einen eigenen Text vorstellen, weil mir die Geschichte sehr am Herzen liegt:

Vor einigen Monaten hatte ich das Glück, auf einer Reise in Kambodscha drei beeindruckende Teenager kennenzulernen, die am Rande von Phnom Penh in bitterer Armut auf einer Müllhalde aufgewachsen sind. Inspiriert von einem Sozialarbeiter gründeten sie später im Waisenhaus die erste Death-Metal-Band, die in der Landessprache Khmer textet - "Doch Chkae" genannt, nach den Straßenkötern der Stadt, die ebenso wie die drei Bandmitglieder lange von dem zehren mussten, was andere wegwerfen. Doch Chkaes morbide Death-Metal-Ästhetik müsste im Land der Killing Fields eigentlich besonders verstören, wo sich unter Pol Pot vor 40 Jahren ganz real die Totenköpfe in den Straßengräben stapelten, und Kleinkinder von Soldaten in erschütternder Gleichgültigkeit an Bäumen zerschmettert wurden. Vielleicht hat sich das Bandprojekt, das eigentlich als Aggressionsventil gedacht war, gerade deshalb zu einer kleinen Erfolgsgeschichte entwickelt.

Für Fluter habe ich die Geschichte von Doch Chkae aufgeschrieben, und viel darüber gelernt, wie die Waisenhäuser und Bildungseinrichtungen der zahlreichen ausländischen NGOs in Kambodscha mittlerweile die Rolle des sozialen Sicherungsnetzes übernommen haben. Viele Heimkinder haben oft noch eine Familie. Die trennt sich aber von ihren Kindern in der Hoffnung, dass die NGOs ihnen eine Perspektive oder zumindest eine vorübergehende finanzielle Entlastung bieten. Die zuletzt immer repressiver auftretende Regierung von Ministerpräsident Hun Sen bringt das in Erklärungsnot. Und macht Entwicklungshilfe aus China, die an weniger Bedingungen und Kontrollmechanismen geknüpft ist, immer attraktiver.

Wie drei kambodschanische Straßenkinder mit Death Metal den Weg aus der Armut fanden
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