Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Pop und Kultur

Martina Kix
Stellvertretende Chefredakteurin von Zeit Campus & freie Autorin
Zum piqer-Profil
piqer: Martina Kix
Freitag, 25.08.2017

Tim Bendzko, Gefühlsdienstleister: Warum die Fans ihn lieben und die Kritiker ihn zerreißen

Dies ist der beste Text, der über Tim Bendzko geschrieben wurde, und der vermutlich je geschrieben wird. Die großartige Autorin Fiona Weber-Steinhaus hat Bendzko für den STERN ein paar Tage auf Tour begleitet. Sie hat nicht nur in schönen Szenen beschrieben, was Bendzko Backstage treibt (Spoiler: Es hat etwas mit Avocados zu tun), sondern auch wunderbar eingeordnet, was Bendzkos Musik ist: »Seine Lieder haben die Wirkung von einem Entspannungsbad« schreibt Weber-Steinhaus. 

Popstars funktionieren, weil sie die Sehnsüchte der Massen darstellen. Tim Bendzko aber dekonstruiert diese Rolle. Er wirkt unverstellt. Dabei klingt sein Werdegang nach dem Musterbeispiel eines Motivationsratgebers: Als Elfjähriger beschloss er, Sänger zu werden. Mit 15 nahmen er und sein bester Freund sich vor, in einer Band zu spielen, heute ist Philipp immer noch als Backgroundsänger dabei. In einer der letzten Unterrichtsstunden vor dem Abitur sang Bendzko wie Xavier Naidoo am Klavier, erinnert sich sein damaliger Musiklehrer. Fünf Jahre später gewann Bendzko einen Song Contest der Söhne Mannheims und trat mit ihnen in der Berliner Waldbühne auf.

Seine Musik muss man nicht mögen, aber seinen Erfolg kann man respektieren. Lachen musste ich trotzdem bei dem Text. 

Tim Bendzko hat sein eigenes Ziel tatsächlich erreicht. Doch wird auf der Tour deutlich: Aus der Sehnsucht kann ein Alltagsjob werden. Er ist ein Handwerker der Gefühle. Seine Musik berührt die Fans, nicht ironisch wie Deichkind, nicht auf die Fresse wie Bushido, nicht intellektuell wie Bob Dylan. Sie fühlen sich – verstanden.
Seine Zeilen wirken wie ein Großeinkauf in einer deutschen Drogerie: Fühl-dich-wohl-Tee, Denk-an-dich-Entspannungsbad, Gib-nicht-auf-Pflaster. Im Publikum stehen Kinder, gerade mal so hoch wie die Absperrgitter; Multifunktionsjackenpaare, junge Mädchen, ältere Frauen. Auch wenn Bendzko abstreitet, eine Botschaft zu haben, so erkennt man sie doch: Ich bin okay, du bist okay, wir sind okay.
Tim Bendzko, Gefühlsdienstleister: Warum die Fans ihn lieben und die Kritiker ihn zerreißen
7,5
2 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied für unter 4€ pro Monat!