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Pop und Kultur

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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piqer: Christian Huberts
Donnerstag, 10.08.2017

Godzilla ist tot – 18 Jahre lang verkörperte Haruo Nakajima die wandelnde Atombombe

Die japanische Popkultur ist durchdrungen vom Trauma der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, die sich in den vergangenen Tagen erneut gejährt haben. In Mangas, Animes und Computerspielen wie etwa Akira oder Final Fantasy VII widmen sich Menschen stets zu unvorsichtig der Erforschung an sich nützlicher Phänomene. Mit katastrophalen Folgen. In kaum einer popkulturellen Figur wird diese Ambivalenz deutlicher als in der Kino-Riesenechse Godzilla: Entstanden durch Nuklearversuche im Bikini-Atoll, ist das Monster von 1954 bis heute mal Zerstörer und mal Erretter von Japan. Oft beides gleichzeitig. Die Macht des Atoms – das wird gerade in der aktuellen Bedrohungslage wieder deutlich – lässt sich nicht so einfach kontrollieren.

Haruo Nakajima hatte zumindest das rund 100 Kilo schwere Godzilla-Kostüm gut unter Kontrolle. Für insgesamt zwölf Filme von 1954 bis 1972 erweckte der japanische Schauspieler das Monster zum Leben – teilweise unter extremer körperlicher Anstrengung. Am vergangen Montag ist er nun im Alter von 88 Jahren verstorben. Der Guardian hat ihm einen knappen Nachruf gewidmet. Das hier gepiqte Video-Feature des YouTube-Kanals Great Big Story rekapituliert Nakajimas Weg vom Stuntman bei Filmen wie Die sieben Samurai bis zum »King of the Monsters« und lässt ihn kurz vor seinem Tod noch einmal selbst zu Wort kommen.

Das Filmmonster Godzilla lebt indessen fort: Zuletzt lief das Reboot Shin Godzilla in deutschen Kinos an. Auch wenn die Riesenechse nun vollständig am Computer entsteht, ändert sich wenig an der allegorischen Bedeutung: Der Atomreaktor von Fukushima tobt quasi durch Tokio und überforderte Bürokraten wissen nicht, wie sie die entfesselte Macht wieder unter Kontrolle bringen sollen. Mehr als 60 Jahre später bietet das popkulturelle Phänomen Godzilla immer noch einen einzigartigen Einblick in die Traumata und Hoffnungen der japanische Gesellschaft.

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