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Pop und Kultur

christina mohr
Freie Autorin

Geboren in Frankfurt, heute wieder dort lebend und arbeitend - hauptberuflich für einen Sachbuch- und Wissenschaftsverlag, daneben als freie Autorin für Magazine wie Spex, Missy Magazine, Konkret, Die Anschläge, kaput-magazine.com, melodiva.de, culturmag.de.

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piqer: christina mohr
Mittwoch, 12.06.2019

Disco Demolition Night revisited

Im Juli 2019 jährt sich eine der beknacktesten und widerwärtigsten Aktionen im popkulturellen Bereich zum 40. Mal: Bei einem Spiel zweier legendärer Baseballmannschaften (Chicago White Sox / Detroit Tigers) dachte sich der Veranstalter, dass es doch eine tolle Idee sei, eine Kiste mit Disco-Platten in die Luft zu sprengen - viele Besucher waren nur wegen der Sprengung gekommen, stürmten in der Pause das Spielfeld und verwüsteten es derart, dass das zweite Spiel abgeblasen werden musste. Die Detroit Tigers wurden zu Siegern erkoren, aber das nur am Rande.

Was war da los? Anno 1979 befand sich die Disco-Mania in den USA eigentlich schon wieder auf dem absteigenden Ast. Disco-Hasser hatten sich aber in großer Zahl formiert - meist konservative weiße Männer, angeführt vom "Anti-Disco"-Radio-DJ Steve Dahl, der zu denjenigen gehörte, der der angeblich dekadenten, tendenziell homosexuellen, ganz und gar unmännlichen Musik den Kampf ansagten. "Disco sucks" lautete der Schlachtruf, "echter", "handgemachter" (Hard-)Rock, aber auch Country und Folk (also weiße Männermusik) galten den Disco-Hassern als die einzig wahren Stilrichtungen - tausende dieser Leute führten dann die abscheuliche Aktion durch, die viele entsetzte Musiker wie Nile Rodgers an Bücherverbrennungen der Nazis erinnerte.

Umstritten hin, abscheulich her  - kein Jahrestag, aus dem man nicht doch gehörig Werbung, Aufmerksamkeit und damit auch Gewinn erzielen könnte, dachten sich wiederum jetzt die Chicago White Sox und verteilen 10.000 T-Shirts mit der Aufschrift "The Night That Records Were Broken".

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Disco Demolition Night revisited
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