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Pop und Kultur

Benjamin Freund
Kulturjournalist und Social-Media-Kurator

Medienwissenschaftler, Kulturjournalismus-Student und Autor für DLF Nova, dpa, Monopol, shelfd, Musikexpress, Galore.

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piqer: Benjamin Freund
Donnerstag, 19.11.2020

Diese Oktober-Highlights von Netflix und Amazon bleiben im Kopf

Netflix

Von Night of the Living Dead bis hin zu Get Out US: "Black horror is black history", schreibt die Science-Fiction-Autorin und Historikerin Tananarive Due 2011 in ihrem Buch Horror Noire - hier zitiert von ZEIT ONLINE. So gäbe es eine "geradezu symbiotische Verwandtschaft zwischen dem Horrorgenre und der afroamerikanischen Erfahrung." 2020 gelingt Netflix der nächste Wurf in Sachen Schwarzer Sozialkritik. Im Mittelpunkt stehen Rial und Bol. Das Paar floh aus dem Südsudan. Tochter Nyagak wurde von den Wellen verschluckt. Ein Restart im Londoner Vorbezirk soll es nun sein - in einem sehr sehr unwirtlichen Haus.

Menschen auf der Flucht, erst in einem Jeep, dann, umgeben von bedrohlicher Dunkelheit und nichts als rauem Meer, zusammengepfercht auf einer wackeligen Nussschale, schließlich hilflose Leiber im Wasser. Ein Trauma unserer Zeit, gegossen in die Bilder der ersten Filmsekunden.

Wie führt man eigentlich ein poly-monogames Leben? Zu dritt? Doch lieber zu zweit? Oder am Ende ganz für sich alleine? An dieser Frage wachsen und scheitern die drei Hauptfiguren Jack, Izzy und Emma nun zum 5. Mal in Folge. Zum 5. Mal ist das unterhaltsam und schärft die Sehgewohnheiten.

„You Me Her“ wurde als erste polyromantische Serie angekündigt. Obwohl einem viele Bilder und Figuren bekannt vorkommen, bricht sie mit Normen und Sehgewohnheiten. Je mehr die Thematik behandelt wird, desto weniger stört sich das Auge und die Gesellschaft daran.

Das Horror-Haus, das Todes-Telefon, der Untote. Sigmund Freud hatte recht. Das Unheimliche versetzt uns nicht in Angst und Schrecken, weil es das Gegenwort von "heimlich" ist, sondern weil wir es mit vertrauten Dingen, Wesen und Orten zu tun bekommen, die plötzlich entfremdet sind. Zu sehen gibt es das auch in Spuk in Bly Manor, einer Gruselei, die sich an der Novelle Die Drehung der Schraube von Henry James orientiert. Darin soll das Kindermädchen Dani sich um die verwaisten Kinder seines Bruders kümmern.

Im Verlauf der Geschichte entpuppt sich Bly Manor immer mehr als so beklemmende wie mitunter hinreißend zärtliche Romanze, die von keineswegs spiritistischen Ebenen vorbehaltenen Formen erzählt, auf die Menschen einander heimsuchen.

Amazon

Fäkalsprech, Flachwitz, Fremdscham. Und das während Pandemie und Wahljahr. Borat 2 ist mit Nichten ein genialer Film. Und wahrlich gibt es genügend Gründe, das Werk explizit von den Oscars auszuschließen. Obgleich Sacha Baron Cohen schon kluge Dinge von sich gab, krankt der Film daran, dass mittlerweile eben fast jeder, der unfreiwillig in der Mockumentary auftaucht, schon weiß, wer oder was die Figur Borat eben ist: Ein schlechter Witz. Was die Produktion jedoch offenlegt, ist die Abgebrühtheit eines vermeintlichen Durchschnittsamis: Weiß, phlegmatisch, Bier-trinkend. Der einstige Prototyp Trump-Wähler nimmt das derbe Herumgehampel von Cohen mit nicht mehr als einem müden Schulterzucken hin.

Die Amerikaner sind inzwischen so abgehärtet gegenüber dumm daherredenden Menschen, dass sie nichts mehr aus dem Konzept bringt. Auch eine Leistung.

Der Filmtitel kling wie aus einer vergilbten Zeit, in der es noch fancy war, einen Blockbuster so zu taufen. Immerhin ist es ja auch eine Zeit, in der Popkultur-Relikte wie Kevin Spacey in Gargamel-artiger Manier über die Leinwand huschen. Davon abgesehen ist es der Film selbst dann tatsächlich schon: Sau cool. Eine Panzerknackerbande, angetrieben von Ansel Elgorts, der so aussieht, als würde er täglich Bahnen im Jungbrunnen ziehen.

eine unverschämte Fusion aus "La La Land"-Kitsch und der Coolness von "Drive". Dass es dabei nicht zur Karambolage gekommen ist, grenzt an ein Wunder. Stattdessen hat "Baby Driver" mit seiner stilsicheren Treibstoffmischung aus Action, Romantik und Evergreen-Soundtrack Potential, zum kommenden Kultfilm der Millennials-Generation zu werden.

Igor Levit ist nicht der Einzige, der gegen Nazis anspielt.

Szpilman spielte das Lied, das er fünf Jahre zuvor im polnischen Rundfunkstudio gespielt hatte, als die ersten deutschen Bomben in Warschau einschlugen: die Nocturne cis-Moll von Frédéric Chopin. Die Melodie verklang, die beiden Männer starrten einander an. Bis der Deutsche die Stille brach: "Sind Sie Jude?" - "Ja", sagte Szpilman. Zu seiner Überraschung versteckte ihn der Offizier auf dem Dachboden.

Diese Oktober-Highlights von Netflix und Amazon bleiben im Kopf

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Kommentare 1
  1. Yvonne Franke
    Yvonne Franke · vor 8 Tagen

    "His House" auf mich auf jede denkbare Art umgehauen. Das ist ein wirklich wichtiger Film.

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