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Torsten Schubert
Journalist, Autor
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Torsten Schubert
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Donnerstag, 02.04.2020

Die vielen Leben des Sammy Davis Jr.

Einer der größten Entertainer des 20. Jahrhunderts auf der Bühne - doch nach der Show nur ein Schwarzer auf den Straßen des weißen Amerika. Mit dieser Diskrepanz musste Sammy Davis Jr. sein Leben lang kämpfen. Zu seinen besten Freunden zählten Frank Sinatra und Dean Martin. Auf der Bühne war er ihnen mehr als ebenbürtig, er war ihnen voraus. Doch im wahren Leben war er immer eingeschränkt, während sie sich vieles herausnehmen durften. Treu blieb er sich selbst bei alledem immer und Rassismus konterte er schlagfertig mit Humor. Obwohl sein Leben kompliziert war, hat er sich davon nie unterkriegen lassen. Auch dann nicht, als sich um ihn herum alles radikal zu verändern begann.

„I’ve gotta be me“ – „Ich muss ich selbst sein“ war einer der Erfolgstitel von Sammy Davis Jr. Doch wer war dieser „Schwarze, Jude und Puerto Ricaner“, wie er sich selbst bezeichnete? Der ein Millionenpublikum vor den Fernsehgeräten versammelte, sich in keine Schublade einsperren lassen wollte, rassistische und religiöse Vorurteile gerne mit Humor konterte – und dabei doch einen Kampf kämpfte, den die farbige Bevölkerung der USA bis heute nicht gewonnen hat. Der amerikanische Regisseur Sam Pollard erzählt in „Die vielen Leben des Sammy Davis Jr.“ von den vielen Talenten des einstigen Kinderstars, der von seinen Eltern als Stepptänzer früh gefördert wurde, so sehr, dass er selbst nie Kind sein durfte. Davis kämpfte derartig um Anerkennung als schwarzer Künstler im weißen amerikanischen Showbiz, dass er manchmal vergaß, dass die Zeit dafür noch nicht reif war. Nicht reif für einen Schwarzen, der als Erster eine Weiße auf der Bühne küsste und auch eine Weiße heiratete, und der sich andererseits im Prozess der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA des 20. Jahrhunderts nicht immer politisch korrekt verhielt. Die Karriere von Sammy Davis Jr. war legendär, doch sein Leben kompliziert und widersprüchlich. Bei einem Autounfall verlor er ein Auge. Mit der Hilfe von Frank Sinatra fand er wieder zurück auf die Bühne, er konvertierte zum Judentum und spaltete durch politische Aktionen seine Anhänger. Er war ein Veteran des Show Business. Aber er wollte nicht wahrhaben, dass es sich radikal veränderte, und er versuchte mit Macht und einigen Peinlichkeiten an seiner lange erfolgreichen Rolle festzuhalten. Jerry Lewis, Kim Novak, Whoopi Goldberg und viele andere, die mit Sammy Davis Jr. gearbeitet haben oder mit ihm befreundet waren, erzählen neben faszinierendem Archivmaterial und persönlichen Fotografien von den vielen Rollen, die er in seinem Leben gespielt hat und bei denen er doch sich selbst immer treu geblieben ist.

Die filmische Biographie ist noch bis zum 29. September 2020 in der Arte-Mediathek zu sehen.

Die vielen Leben des Sammy Davis Jr.

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