Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Pop und Kultur

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
Zum piqer-Profil
piqer: Christian Huberts
Donnerstag, 09.08.2018

Computerspiele können den Nationalsozialismus nun in allen Aspekten thematisieren

Noch vor Monaten schien es, als bliebe das Ringen um die Sozialadäquanz von Computerspielen ein zäher Prozess. Während sich Indiana Jones im Film mit Nazis prügeln und die Inglourious Basterds explizit Hitler eine Kugel verpassen dürfen, mussten Games bislang viele Verrenkungen vollführen, um nicht gegen § 86 und § 86 a des Strafgesetztbuchs zu verstoßen. Aus den Nazis wurde schon mal »das Regime« und aus Hitler der bartlose »Heiler«. Eine Pressemitteilung des Dachverbands game – die den 8.8. als Datum glücklicherweise verpasst hat – macht nun Hoffnung auf eine grundsätzliche Änderung dieser Ungleichbehandlung kultureller Gegenstände:

Wenn Titel mit Symbolen verfassungswidriger Organisationen bei der USK zur Vergabe eines Alterskennzeichens eingereicht werden, entscheiden ab sofort die USK-Gremien im Einzelfall, ob die sogenannte Sozialadäquanzklausel (§ 86 Absatz 3 des Strafgesetzbuches) angewendet werden kann. Sozialadäquat bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Symbole verfassungswidriger Organisationen im Einzelfall in einem Titel verwendet werden können, sofern dies der Kunst oder der Wissenschaft, der Darstellung von Vorgängen des Zeitgeschehens oder der Geschichte dient.

Erkennt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) also in einem Computerspiel, das sich mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt, einen Beitrag zur Aufklärung, Wissenschaft oder Kunst, führen Hakenkreuze oder Abbildungen von Hitler nicht mehr sofort zu einem faktischen Verkaufsverbot. Davon profitieren Spiele wie Attentat 1942, die trotz sensibler Auseinandersetzung mit dem Thema bis heute nicht in Deutschland erscheinen können. Wie der »Einzelfall« in der Praxis aussieht, wird sich jedoch erst in den nächsten Monaten zeigen. Das stellvertretend gepiqte Interview von GamesWirtschaft mit dem game-Geschäftsführer Felix Falk gibt hier noch keine Antworten, verdeutlicht aber den Drahtseilakt zwischen Fortschritt und Vorsicht.

Eine Flut von Hakenkreuzen in Spielen wird es […] nicht geben.
Computerspiele können den Nationalsozialismus nun in allen Aspekten thematisieren
8,3
4 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!